Kommentar

Hamburg leidet an Verstopfung

Eine neue Verkehrsstruktur muss zuerst in die Köpfe

Es gehört zur Koketterie heimgekehrter Urlauber, darüber zu berichten, wie lange sie an diesem Autobahnkreuz oder jenem Dreieck im Auto saßen und gleichzeitig im Stau standen. Da die Ferien nun in Hamburg zu Ende sind, geht der zähflüssige Alltag auch auf den innerstädtischen Straßen wieder los. Die Kolonnen sind auf einen Schlag länger geworden. Die eine oder andere Baustelle im Zentrum trägt sicherlich dazu bei, dass Fahrten auf vier Rädern länger dauern als solche auf zweien. Das kann man beklagen.

Man kann aber auch darüber nachdenken, ob jedes Mal das Auto den Menschen voranbringen muss oder ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, Wege in die Stadt, zum Beispiel mit Bus und Bahn, dem Fahrrad oder sogar zu Fuß, zurückzulegen.

Großstädte sind in ihrem Kern in den vergangenen Jahrzehnten für Autos verkehrstauglich gemacht worden. Viele Maßnahmen beweisen sich jetzt als untauglich. Die Verkehrsadern zeigen dies jeden Tag aufs Neue: Hamburg leidet an Verstopfung.

Es ist an der Zeit, im wahren Wortsinn völlig neue Wege zu gehen. Alle Autos raus aus der City! Lieferverkehr nur zu bestimmten Zeiten! Straßen den Fußgängern überlassen! Warum nicht? Die Mobilität wird nicht darunter leiden und die Luft vermutlich besser. Der Erfolg der Mieträder und die wachsende Zahl von Elektrorädern zeigen, dass Menschen bereit sind umzusteigen, wenn es nur bequem genug ist. Aber das setzt eine neue Verkehrsinfrastruktur voraus und nicht ein Herumdoktern an der bestehenden. Ein Radweg als Randlösung einer Straße ist zu wenig. Diese neue Infrastruktur muss im Kopf entstehen und dann mutig auf die Straße getragen werden.

Es ist übrigens ein paar Jahrzehnte her, da hat Hamburg das seinerzeit Undenkbare gegen Widerstände durchgesetzt. Die Spitalerstraße, die Colonnaden und der Rathausmarkt wurden "verkehrsberuhigt". Es sind Straßen und Plätze, an denen die Bürgersteige tatsächlich heruntergeklappt wurden - es war eine Entscheidung mit Weitsicht.

Dieses Motto könnte die Stadt heute wieder gebrauchen: "Wir machen den Weg frei - für die Bürger."