Maschinenbau

Neuer Körber-Chef macht Tempo - Kasse ist gut gefüllt

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Der Konzern aus Hamburg-Bergedorf muss in der Krise deutlichen Gewinneinbruch hinnehmen. Innovationen sollen die Wende bringen.

Hamburg. Die Begrüßung der Journalisten ist herzlich, Nervosität nicht zu spüren. Richard Bauer wirkt aufgeräumt. Eineinhalb Stunden präsentierte der neue Chef der Körber AG zum ersten Mal die Zahlen des Hamburger Maschinenbaukonzerns. "Es war für mich kein Tag wie jeder andere, aber ein Medientraining brauchte ich nicht", sagte er im Anschluss. Was sich unter seiner Führung bei Körber ändern wird? "Gute Frage", sagt Bauer und schaut vom Dachgarten der Konzernzentrale in der City Süd auf die Stadt. "Ich will ein schnelleres Tempo für Innovationen ins Unternehmen bringen."

Nach dem Rekordjahr 2008 muss der Diplomkaufmann und gebürtige Stuttgarter den Konzern jetzt aus der Krise führen, die Körber 2009 acht Prozent vom Umsatz kostete. Getroffen hat es bei Körber die Papiersparte und den Werkzeugmaschinenbau, bei denen die Umsätze und Auftragseingänge um zweistellige Prozentsätze zurückgingen. "In der Branche gibt es aber noch schärfere Einbrüche", sagte Finanzvorstand Detlev Terboven. Im Konzern konnte dies zwar durch Zuwächse bei den Tabakmaschinen auf einen Rekordumsatz von 808 Millionen Euro und ein Plus bei den Pharmaverpackungen teilweise ausgeglichen werden. Doch die Krise hat Arbeitsplätze gekostet.

Krise kostete bei Hamburger Körber-Töchtern 100 Stellen

So fielen 2009 in der Papiersparte, bei der Körber Maschinen für Haushaltsrollen oder Toilettenpapier sowie Schneidemaschinen für Schulhefte anbietet, 290 Arbeitsplätze weg. Im Maschinenbau waren es sogar 322. In Hamburg sind davon E.C.H. Will und in Bergedorf der Werkzeugmaschinenbauer Blohm mit zusammen 100 Beschäftigten betroffen. "Es gab aber keine betriebsbedingten Kündigungen, wir haben Altersteilzeitregelungen vereinbart und die Betroffenen konnten in die konzerneigene Transfergesellschaft wechseln", sagt Bauer. Für 2010 steht noch die Schließung des Werks in Stuttgart mit 100 Beschäftigten an.

Spurlos, räumt der 55 Jahre alte Manager ein, gingen solche Entscheidungen nicht an ihm vorbei. "So etwas nimmt man mit nach Hause", weiß Bauer. Denn schon als Chef von Hauni, der Körber-Tabaksparte, hatte er 2003 mehrere 100 Stellen streichen müssen. Über die interne Qualifizierungsgesellschaft konnten aber bisher immer 70 Prozent der Betroffenen in neue Jobs vermittelt werden. "Wir tun mehr als andere Unternehmen", sagt Bauer.

Das gilt auch für die Investitionen und die Ausgaben für Entwicklungen, die trotz des um mehr als 50 Prozent auf 96 Millionen Euro eingebrochenen operativen Gewinns fast konstant blieben. Das wirkt sich aus. So bietet die Tabaksparte, die ihre Belegschaft 2009 um gut 130 Mitarbeiter aufstockte, jetzt eine Maschine an, die Zigarettenfilter mit mehr Aktivkohle versieht - und damit die Schadstoffbelastung des Rauchers mindert. Die Sparte Werkzeugmaschinen hat eine Anlage entwickelt, mit der sich künstliche Knie- und Hüftgelenke bearbeiten lassen.

Zukäufe gehören zur "Strategie 2015", die Kasse ist gut gefüllt

Ohnehin glaubt der Körber-Chef auch nach dem Einbruch beim Auftragseingang um 51 Prozent weiter an die Sparte. "Um dies deutlich zu machen, habe ich zusätzlich die Geschäftsführung dort übernommen." Das Herz des Schwaben schlägt seit seiner Kindheit für Technik. "Schon als Junge habe ich gern mit der Laubsäge gebastelt."

Auch bei den Pharmaverpackungen bietet Körber Neues. So wird nahe Hannover jetzt eine Verpackung getestet, die Bauer-Vorgänger Werner Redeker 2009 vorgestellt hatte. Sie soll chronisch kranken Menschen die Einnahme von Medikamenten erleichtern. Das Konzept: Körber verpackt die Pillen für einen bestimmten Zeitraum einzeln in einer faltbaren Plastikkarte und druckt Hinweise wie die Einnahmezeiten daneben ab. Für den Medifalter hatte Redeker 2009 die Pharmafirma Weimer aus Rastatt erworben.

Solche Zukäufe sieht Bauer auch für die Zukunft. In der "Strategie 2015" sind sie neben dem Wachstum aus eigener Kraft vorgesehen. Die Kasse des Konzerns ist trotz der Krise gut gefüllt. Abzüglich der 30 Millionen Euro Bankschulden enthält sie 550 Millionen Euro. "Das Jahr 2010 wird sicher nicht viel einfacher als 2009", sagt der neue Körber-Chef. Immerhin gehen aber in der Papiersparte seit Anfang des Jahres wieder mehr Aufträge ein, im zweiten Halbjahr soll es auch bei den Werkzeugmaschinen besser laufen. Die Zahl der Beschäftigten soll konzernweit weniger stark sinken als 2009, allenfalls 100 Stellen könnten wegfallen. Bauer rechnet mit einem konstanten Umsatz und einem besseren Ergebnis. Um wie viel? Ein Blick zum Finanzvorstand. "Zwischen den 203 Millionen Euro 2008 und den 96 Millionen im Jahr 2009", sagt Terboven. "Die Mitte, also gut 140 Millionen Euro, wäre ein hehres Ziel."