Neue Studie

Ältere und Kinderlose denken kaum an Jüngere

Foto: picture alliance

Bei zwei umfangreichen Erhebungen wurden insgesamt 14.000 Deutsche zu deren Einstellungen zur Familien- und Rentenpolitik befragt.

Hamburg. Der demografische Wandel bedroht nach einer Studie die Solidarität der Generationen in Deutschland. Alte und Kinderlose verlören die Bedürfnisse von Jüngeren und Familien mit Kindern aus dem Blick und achteten vor allem auf ihre eigenen Interessen, berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf eine Studie des internationalen Forschungsverbunds Population Europe in Berlin.

Demnach ist die Zustimmung von 65-Jährigen zu Kindergelderhöhungen um 85 Prozent weniger wahrscheinlich als die von 20-Jährigen. Die Zustimmung zu flexibleren Arbeitszeiten für Eltern sinke zwischen dem 20. und dem 65. Lebensjahr um 50 Prozent. Ältere sprächen sich hingegen stärker für Änderungen im Rentensystem zulasten der Jüngeren aus.

Der Koordinator der Erhebung, Harald Wilkoszewski, untersuchte bei zwei umfangreichen Befragungen von insgesamt 14.000 Deutschen aus den Jahren 2003 und 2005 deren Einstellungen zur Familien- und Rentenpolitik.

Die Ergebnisse seien eindeutig, heißt es in der "Welt am Sonntag": Je älter die Menschen sind, umso weniger heißen sie es gut, dass öffentliche Gelder an Familien und Kinder fließen, und umso mehr fordern sie zusätzliche Mittel für Rentner. Wer Kinder und Enkelkinder habe - oder Letztere von seinen erwachsenen Kindern erhoffe -, unterstütze hingegen staatliche Transfers von älteren an jüngere Generationen deutlich mehr als Kinderlose.

Nach Ansicht von Statistikern altert die Gesellschaft in Deutschland schneller als bislang angenommen. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf Berechnungen des Forschungsinstituts Prognos berichtete, wird die deutsche Bevölkerung in den kommenden vier Jahrzehnten um etwa zwölf Millionen Einwohner auf nur noch 70,1 Millionen sinken.

Dazu trügen vor allem die niedrige Geburtenrate (1,4 Kinder) und die immer noch steigende Lebenserwartung bei. Dem Bericht zufolge wird die Zahl der Menschen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren bis 2030 von jetzt knapp 50 Millionen auf 43,5 Millionen abnehmen. Die Zahl der unter 19-Jährigen wird von 15,3 Millionen im Jahr 2009 auf 12,9 Millionen im Jahr 2035 sinken. Das Durchschnittsalter der Deutschen werde 2060 bei 49,3 Jahren liegen.

Durch die Verrentung der Generation der Babyboomer bis zum Jahr 2030 werde sich die Situation der Sozialkassen "dramatisch verschärfen", sagte der Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner Klingholz, dem "Focus". Die heute selbstverständlichen Sozialleistungen würden sich dann nicht mehr finanzieren lassen.