Gott und die Welt

Was mir Kirche bietet: Gottes sichere Nähe

"Was habe ich davon, was bringt mir das?", so fragen die meisten von uns. Wir wollen einen Nutzen für unseren Einsatz sehen, einen Wert erhalten, einen sichtbaren Gewinn oder etwas anderes, das uns guttut: Anerkennung, Ehre, ein gutes Gefühl. Das ist nicht nur in Ordnung, sondern wirklich notwendig. Wir brauchen solche Erfahrungen. Wir schulden sie einander.

Was bietet mir die Kirche? Viele sprechen so, oft verbunden mit einem viel sagenden Achselzucken: Lasst mich damit in Ruhe; ich will mir keinen Stress machen. So manchem ist das Thema "die Kirche und das Geld" ein Dorn im Auge. Sehr viele nehmen die schändlichen Missbrauchsfälle zum Anlass, sich von einer Einrichtung abzuwenden, die solches in ihren Reihen aufweist. Die hohen Austrittszahlen sind eine bittere Quittung. Ich kann und will mich damit nicht abfinden.

Natürlich bietet die Kirche eine ganze Menge: sozialen Einsatz in allen Bereichen des Lebens, Kindergärten, Schulen, Hilfe für die Menschen, die im Schatten und im Finstern sitzen müssen, bei uns in der Nähe, in den Weiten unserer einen Welt. Wir bewundern Kunst und Kultur im Geist des Christentums und der Kirche. Wir freuen uns an herrlichen Bauten, lassen uns von großartiger Musik bewegen.

Aber eines ist mir ganz wichtig, ja, es bleibt immer das Allerwichtigste. Die Kirche gibt es, weil sie an Gott erinnert, von ihm spricht, oft genug durch fehlerhafte, unglaubwürdige Menschen, aber unaufhörlich, allem, was passiert, zum Trotz. Die Kirche bringt uns Gott, sie bietet uns Gottes Nähe, Gott, der nicht eine ferne Idee bleibt, sondern in Jesus zu den Menschen kommt und uns mit seinem Geist bewegt. Das ist das Alleinstellungsmerkmal der Kirche. Sie ist ein Ort der Gegenwart Gottes, lädt zur Taufe ein, die jedes Menschenkind als Gotteskind bestätigt, feiert Kommunion - Gemeinschaft mit Gott, der uns Menschen verwandelt. Gewinnen wir mit Fantasie und Liebe die Menschen neu dafür!

Ich bin fest davon überzeugt: Gott ist für jeden Menschen da. Jeder, jede hat mit ihm zu tun, auch über die Grenzen der Kirche hinweg. Aber wenn Gott sich die Mühe macht, die Kirche entstehen zu lassen, dann soll sie der Ort sein, zu dem die Kirche alle Menschen einlädt.

Jede einzelne Person, die nicht kommt oder geht, muss uns bitter fehlen. Wir dürfen das Volk nicht laufen lassen. Ohne Volk sind wir keine Kirche. Das weiß der Papst, und das müssen sich alle frommen Christen immer neu vor Augen halten.

wbjaschke@egv-erzbistum-hh.de