Barmbek

Patient soll für Ärztepfusch rund 2000 Euro zahlen

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Ausgerechnet der Zahnarzt, der Hartmut Burre verletzt hat, fordert von ihm rund 2000 Euro für den verpfuschten kieferchirurgischen Eingriff.

Hamburg. Hartmut Burre spürt seine Unterlippe rechtsseitig nicht, er wird sie nie wieder spüren, auch sein Kinn ist teilweise taub. "Manchmal sind die Taubheitsgefühle im Unterkiefer so extrem, dass ich das Essen im Mund nicht mehr halten kann", sagt der pensionierte Werbekaufmann.

Nun erhebt der 68-Jährige schwere Vorwürfe: Ausgerechnet der Zahnarzt, der seine anhaltende Taubheit in Lippe und Kinn zu verschulden hat, fordere von ihm rund 2000 Euro für den verpfuschten kieferchirurgischen Eingriff.

Dr. Dr. Norbert B. mit Praxis in Poppenbüttel gilt als Spezialist für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Burre suchte den Mediziner im Mai 2008 wegen heftiger Zahnschmerzen auf. Drei Zahnimplantate drehte B. ihm darauf in den Unterkiefer - auch Stunden nach dem Eingriff spürte Burre sein Kinn und seine Lippe nicht mehr. "Noch am gleichen Abend bin ich ins UKE gegangen", sagt Burre. Dort stellten die Spezialisten fest, dass die Zahnimplantate zu lang waren und auf einen Nerv im Unterkiefer drückten. Dr. Dr. B. tauschte zwei der bemängelten Implantate drei Tage später zwar gegen kürzere aus - doch auch diese waren noch zu lang, drückten weiter auf den Nerv. Das dritte Implantat sei gar nicht erst entfernt worden. Inzwischen sind die Implantate so fest mit dem Knochen verwachsen, dass sie kaum noch entfernt werden könnten, sagt Burres Anwalt Michael Timpf. Im September 2010 sprach das Landgericht Hamburg Burre 10.000 Euro Schmerzensgeld zu.

Doch im April 2011 reichte Dr. Dr. B. vor dem Amtsgericht Barmbek Klage auf Zahlung seines Arzthonorars und die Übernahme der Anwaltkosten in einer Gesamthöhe von 2000 Euro ein. Grund: Hartmut B. nutze die Implantate ja. "Das ist abenteuerlich", sagt Anwalt Timpf. "Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs muss eine ärztliche Behandlung, die wertlos war, nicht vergütet werden." Auf Abendblatt-Anfrage wollte sich Dr. Dr. B. zu dem Fall nicht äußern.

Ein Gütetermin im Oktober scheiterte, das Amtsgericht Barmbek rät jetzt dem Zahnarzt, die Klage zurückzunehmen - wegen geringer Erfolgsaussichten.