Forscher: Gewalt wird durch Islam eher eingedämmt

Hamburg/Münster. Junge gläubige Muslime sind nach Auffassung des Hamburger Rechtswissenschaftlers Peter Wetzels weniger gefährdet, gewalttätig zu werden, als Gleichaltrige ohne religiöse Bindung. Zwar seien Jugendliche mit einem traditionellen Geschlechterrollenverständnis in größerem Maße gefährdet, in Gewalt abzurutschen, als andere Gleichaltrige, sagte Wetzels am Sonnabend in Münster. Und es gebe daneben noch andere Risikofaktoren wie schlechte Sprachkenntnisse und soziale Unterprivilegierung. Dazu zähle jedoch nicht die religiöse Bindung, betonte Wetzels, der an der Universität Hamburg das Institut für Kriminalwissenschaften leitet.

Wetzels widersprach der vom Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer verbreiteten These, dass junge, religiös motivierte Muslime zur Gewalt neigten. Die Bindung an islamische Gemeinschaften verhindere im Gegenteil ein Abgleiten, weil sie eine soziale Kontrolle ausübe, erklärte Wetzels und verwies auf eine Studie zur Gewalt und Delinquenz junger Menschen in Bremen.

Der islamische Religionswissenschaftler Bülent Ucar rief gebürtige Deutsche und Zuwanderer zur Bildung einer Schicksalsgemeinschaft für ein friedliches Zusammenleben auf. Viele Deutsche sähen in den vier Millionen Muslimen in Deutschland eine "fünfte Kolonne", eine subversive Geheimgesellschaft, sagte Ucar, der an der Universität Osnabrück Islamische Religionspädagogik lehrt. Den Medien warf er vor, viele Klischees zu transportieren, anstatt diese kritisch zu hinterfragen.

Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" bewertete der Religionswissenschaftler dagegen positiv, weil bei der öffentlichen Diskussion Ressentiments offen ausgesprochen worden seien. "Sie müssen auf den Tisch", forderte Ucar.