A7-Autobahndeckel

Baustelle in Hamburg: Staus am Elbtunnel noch bis 2020

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Dieses Wochenende gibt einen Vorgeschmack auf das, was beim Bau des Autobahndeckels droht: Jeden Tag Stau vor Röhren des Elbtunnels.

Hamburg. "Freie Fahrt am Elbtunnel. Weder Richtung Norden noch Richtung Süden ist Stau oder stockender Verkehr in Sicht. Wir wünschen einen guten Morgen!" Diese Radiomeldung würde Lkw-Fahrer Thomas Rothe nur zu gern hören. Mehrmals in der Woche passiert er das Nadelöhr des Nordens. Doch ihn und alle anderen Hamburger wird diese Nachricht in den kommenden Jahren nur selten erreichen. Seit knapp drei Jahren ist der Elbtunnel, den täglich rund 130 000 Fahrzeuge durchqueren, eine Dauerbaustelle. Eine der vier Röhren ist immer gesperrt, weil die Sicherheits- und Brandschutztechnik der drei alten Röhren noch bis zum Herbst 2012 modernisiert wird. Die Folge: Nahezu täglich staut sich der Verkehr.

Nach Meinung von Experten ist das nur ein Vorgeschmack darauf, was Autofahrer erwartet, wenn die Überdeckelung und der Ausbau der Autobahn 7 im kommenden Jahr starten.

Auch die Prognose für dieses Wochenende verheißt nichts Gutes. Matthias Schmitting vom ADAC Hansa rechnet in Richtung Süden mit einer Staulänge von zehn bis 15 Kilometer. Und auch die Autofahrer in Richtung Norden werden sich gedulden müssen. "Dort wird sich der Verkehr voraussichtlich auf fünf bis sieben Kilometer stauen", sagt Schmitting. Da an diesem Wochenende in Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern die Herbstferien beginnen und in Hamburg zu Ende gehen, erwartet er vor allem am Sonnabend einen regen Reiseverkehr.

Nicht nur zur Urlaubszeit, auch an normalen Wochentagen stauen sich regelmäßig Automassen vor dem 3325 Meter langen Tunnel, der 2002 durch eine vierte Röhre ergänzt wurde. Gleichzeitig für den Verkehr geöffnet waren die vier Röhren nach Angaben der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation seitdem insgesamt nur 34 Monate. "Selbst wenn alle vier Röhren geöffnet wären, würden sie nicht ausreichen", sagt Schmitting. "In den Spitzenzeiten durchqueren 140 000 Fahrzeuge den Tunnel." Ausgelegt sei er aber nur für 100 000 Fahrzeuge. Der Verkehrsexperte ist sich sicher, dass sich die Situation durch das A-7-Bauprojekt drastisch verschärfen wird.

Um dem wachsenden Verkehrsaufkommen gerecht zu werden, sollen die Fahrbahnen der A 7 ab 2012 in den Bereichen Stellingen und Bahrenfeld/ Othmarschen von sechs auf acht, im Bereich Schnelsen von vier auf sechs Fahrstreifen erweitert werden. Zudem werden auf drei Teilabschnitten Lärmschutztunnel gebaut. Baubeginn ist in Stellingen. Etwa 2020 könnte die gesamte, rund 430 Millionen Euro teure Überdeckelung abgeschlossen sein. Bis dahin müssen sich Autofahrer auf Dauerstaus einstellen.

"Der umfassende und langwierige Ausbau der A 7 zu einer leistungsstarken Nord-Süd-Verbindung wird in den nächsten Jahren nicht nur das Verkehrsgeschehen am Elbtunnel, sondern in und um Hamburg beeinflussen", sagt Helma Krstanoski, Sprecherin der Verkehrsbehörde. Wenn die A 7 ausgebaut wird, kann zumindest der Elbtunnel nach jahrelangen Bauarbeiten wieder mit allen vier Röhren betrieben werden. "Zudem werden während der Bauzeit immer die gewohnten sechs Fahrspuren zur Verfügung stehen", sagt Helma Krstanoski.

Häufig nur im Schneckentempo in und um Hamburg voranzukommen, das dürfte vielen Autofahrern nicht gefallen. "Einige Menschen werden wie bei jedem Bauprojekt genervt sein", räumt SPD-Fraktionschef Andreas Dressel ein. "Aber langfristig wird dieses gemeinsam gewollte Jahrhundertprojekt im Sinne derer sein, die jetzt schon im Stau stehen." Die weiteren Spuren auf der A 7 werden dringend benötigt, sagt auch Martina Koeppen, SPD-Verkehrsexpertin. "Dazu gibt es keine Alternative." Wichtig sei eine "1-a-Informationspolitik für die Bürger". Staus während der Bauzeit seien aber unvermeidbar.

Dennoch kommt der Zweckoptimismus in der Politik nicht von ungefähr. Immerhin ist mit diesem Mammutprojekt auch die Sorge verbunden, Wähler zu verprellen. Dauerstaus in den kommenden Jahren könnten sich bei der nächsten Wahl in Hamburg bemerkbar machen. Über die Wahl macht sich Lkw-Fahrer Thomas Rothe, der seit 1987 mehrmals die Woche durch den Elbtunnel fährt, noch keine Gedanken. Und auch an den bevorstehenden Ausbau der A 7 mag er noch nicht denken. "Es wird ein Verkehrschaos geben", sagt der 44-Jährige, der für die Firma Stapelfeldt Container-Transport arbeitet. Schon jetzt gehe es vor dem Elbtunnel häufig nur im Schritttempo voran. "Wenn es mir zu lange dauert, fahre ich von der Autobahn ab und nehme den Weg durch die Stadt in Kauf." Ampeln und Innenstadtverkehr sind Rothe lieber, als im Stau zu stehen.