Hamburger Landgericht

Babys gequält und vergewaltigt: Angeklagter gesteht

Der 56-Jährige ist vor Gericht, weil er zwei Babys gequält und vergewaltigt hat. Zuschauer des Prozesses sind fassungslos und entsetzt.

Hamburg. Was die beiden Kleinkinder erdulden mussten, ist kaum in Worte zu fassen. Der im sachlichen Juristensprech vom Staatsanwalt zusammengefasste Fall macht das Unfassbare nicht begreiflicher. Einige Zuschauer müssen während der Verhandlung vor dem Landgericht schwer schlucken, sie blicken sich irritiert, angewidert, entsetzt an: Ist das wirklich wahr?

Der Mann, um den es hier geht, ist wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt. Wolfram H., 56, soll sie gequält, misshandelt und sexuell missbraucht haben. Zwei Kinder im Babyalter, John, 1, und Sina (Namen geändert), sechs Monate. Die ihm zur Last gelegten Taten sprechen für eine sadistische und pädophile Störung. Endgültig klären wird das ein Gutachten

Der bullige Mann sitzt neben seinem Verteidiger, die Augen verschlossen, den Kopf gesenkt. Ihm gegenüber die Frau, die ihm ihren Sohn - im guten Glauben - anvertraut hatte. Er sieht ihr nicht ein einziges Mal in die Augen.

Die Fotos, die der Richter den Prozessbeteiligten präsentiert, zeigen John, ein lachender Junge mit hellblonden Haaren, heute drei Jahre alt. Es ginge ihm gut, "mal abgesehen von so aggressiven Phasen", sagt seine Mutter mit schleppender Stimme. Sie ist an Parkinson erkrankt. Nicht im Geringsten ahnte die 38-Jährige, was vor sich ging, wenn sie John dann und wann in die Obhut von Wolfram H. gab.

"Herr H. war ein sehr, sehr guter Freund von mir", sagt sie. Sie kenne ihn seit elf Jahren, ihr Junge habe ihn liebevoll "Onkel Wolli" genannt. Merkwürdig nur, dass er mit ihrem Kleinen auf dem Schoß immer Internetvideos guckte. Und als sie einmal vom Einkaufen zurückkam, da fielen ihr Johns stark gerötete Wangen auf. Mit H.'s Erklärung, der Junge sei hingefallen, so etwas passiere Kleinkindern eben, gab sie sich zufrieden.

Die Polizei kam dem Triebtäter 2010 auf die Schliche. In seiner Wohnung fanden die Beamten Kinderpornos und Videoaufnahmen. Auf den Filmen war zu sehen, wie er die Babys quälte, sich an ihnen verging. Wie er den Jungen am Kopf in die Höhe hebt und ihn würgt, bis die Zunge aus dem Mund hängt. Die Tritte, die Schläge, den Missbrauch, dann auch an Baby Sina - alles hatte Wolfram H. gefilmt, um sich später an den Aufnahmen zu erregen.

Es ist nicht klar, ob der Angeklagte psychisch gestört ist, ob er die Taten im Zustand der Schuldunfähigkeit beging oder eingeschränkt steuerungsfähig war. Sollte das Gericht das eine oder das andere bejahen, würde Wolfram H. in die Psychiatrie eingewiesen werden. Andernfalls ist ihm eine lange Gefängnisstrafe gewiss.

Gestern legte der Kinderschänder ein Geständnis ab - allerdings schloss das Gericht zuvor die Öffentlichkeit aus, da den Angeklagten betreffende, "intime Details" zur Sprache kämen. Einen Rat hatte der Richter für die Nebenklägerin, Johns Mutter. "Kommen Sie beim nächsten Mal besser nicht - wir müssen uns die Bilder anschauen."