"Mein Baum - Meine Stadt"

Zur Hochzeit gibt es eine Linde für die Stadt

Brautpaar aus Barmbek spendet die Stadtlinde im Zuge der Aktion "Mein Baum - Meine Stadt" der Straße Beim Alten Schützenhof.

Barmbek. Bäume waren schon immer Treffpunkt für Verliebte. Unter ihrer schützenden Krone schworen sie sich ewige Treue und ritzten ihre Namen in die Rinde. Seit Jahrhunderten pflanzen Paare am Tag der Hochzeit einen Baum. Cathrin und André Skeries aus Barmbek folgen diesem Brauch. Sie haben sich entschieden, als erstes gemeinsames Großprojekt ihrer Ehe im Rahmen der Kampagne "Mein Baum - Meine Stadt" einen Baum zu spenden.

"Er soll mit den Jahren wachsen und gedeihen, so wie wir es für unsere Ehe wünschen", sagt das frisch vermählte Paar. Die beiden haben sich für eine Linde entschieden, eine Stadtlinde. Sie wird in einer Barmbeker Seitenstraße, Beim Alten Schützenhof, stehen. Wohl kaum werden Liebespaare unter ihrem Blätterdach erste Küsse tauschen. Doch wenn die Skeries aus ihrem Wohnzimmerfenster blicken, werden sie ihren Baum sehen. Und sich darüber freuen. "Er schließt eine Lücke in der Reihe der Linden, die bei uns in der Straße stehen", sagt André Skeries.

Die Vorgängerin der Hochzeitslinde war 1974 gepflanzt worden. Nachdem ein Auto sie angefahren hatte, wurde sie krank und musste gefällt werden, heißt es aus der Umweltbehörde, wo jeder Straßenbaum katalogisiert wird. In den vergangenen Jahren wurden 2500 Hamburger Straßenbäume wegen Alters oder Krankheit abgeholzt.

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Diese Lücken sollen mit der Kampagne "Mein Baum - Meine Stadt", bei der jeder Bürger für seinen ausgewählten Straßenbaum spenden kann, geschlossen werden. Die Anfang Juli gestartete Aktion ist erfolgreicher, als es sich Projektleiter Gerhard Doobe hat träumen lassen.

Hamburger haben schon mehr als 130.000 Euro gespendet

"Die Hamburger sind großartig, die Resonanz gigantisch", freut sich der Diplom-Biologe, der in der Umweltbehörde für die Landschafts- und Grünplanung zuständig ist. Bis Freitagmittag haben 477 Hamburger insgesamt 137 118,99 Euro gespendet. "Davon können 275 neue Straßenbäume gepflanzt werden", rechnet Doobe vor. Die Stadt wird anlässlich des Umweltjahres selber 2011 Bäume pflanzen, sodass Hamburg sein Image als grüne Stadt noch aufpolieren kann - schließlich schluckt ein ausgewachsener Straßenbaum durchschnittlich ein bis 1,5 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr, bei 2500 Bäumen werden der Stadt rund 3000 Tonnen des Treibhausgases erspart.

Seit dem Start der Kampagne haben Gerhard Doobe und sein dreiköpfiges Team alle Hände voll zu tun. Täglich muss die interaktive Karte aktualisiert werden, mit der sich die Hamburger ihren Spendenbaum aussuchen können. "Jeder Standort, der dort vergeben wird, wurde im Vorfeld von Baumexperten besucht", erklärt Volker Dumann, Sprecher der Umweltbehörde. "Dabei wurden Bodenbeschaffenheit und Umgebung geprüft, um entscheiden zu können, welche Baumart dort am besten hinpasst."

Die Linde kann erst im November umgepflanzt werden

In der Barmbeker Seitenstraße, in der Cathrin und André Skeries wohnen, überwiegen Linden - daher sollte auch der neue Baum einer von dieser Sorte sein. Den beiden ist es recht. "Wir mögen Linden sehr gern", sagen die Baumspender Cathrin und André Skeries. "Sie haben einen schönen Wuchs." Ebenso wie Eichen sind sie auch äußerst robust - daher überwiegen diese Sorten bei den Neuanpflanzungen. Amber- und Vogelbeerbäume, Ahorne und Ulmen wird es seltener geben.

Bis ihr Baum gepflanzt wird, müssen sich die Eheleute Skeries jedoch noch etwas gedulden. Um den Straßenbäumen einen "Pflanzschock" zu ersparen, richtet man sich nach ihrer biologischen Uhr und pflanzt sie erst im November um. Die Linde der Skeries wartet in einer Baumschule in der Nähe Hamburgs auf ihren Umzug nach Barmbek. Mit einer Höhe von 4,50 Meter ist sie noch recht klein, kann sie doch bis zu 15 Meter hoch werden. "Schön, dass sie noch so viel wachsen kann", sagen Cathrin und André Skeries. "Dann hält unsere Ehe sicher auch ganz lang." (abendblatt.de)