Offen gesagt

Kultur, so süß wie Schokolade

Eine Glosse von Sven Stillich

Was für eine wahrhaft süße Idee: Das Kölner Schokoladenmuseum zeigt ab November eine Ausstellung mit Skulpturen aus dem Dom, die in Schokolade gegossen wurden. Die größten Exponate sind einen Meter groß und präsentieren sich "andächtig, stolz und mitunter sehr humorvoll", wie das Museum in der Ankündigung wirbt.

Wäre das nicht auch eine gute Sache für Hamburg beziehungsweise eine Anregung für die Hamburg Marketing GmbH (viele sind ja schon der Meinung, das sei ein und dasselbe)? Man könnte die großen und kleinen Kulturstätten der Stadt mit Schokolade nachbilden. Die Oper zum Beispiel aus eingeschmolzenen Pralinen, das Schauspielhaus aus Vollmilchschokolade. Das Altonaer Museum wiederum wäre in jedem Fall aus Nussschokolade, schließlich haben da viele drauf rumzukauen. Und für das Gängeviertel würde sich weiße Schokolade eignen, weil ja noch niemand genau weiß, was daraus wird. Das CCH aus bröckeliger Luftschokolade: Das hätte auch etwas. Oder Blockschokolade, die hätte etwas Stützendes; sie wäre wie gemacht für die Schilleroper und all die anderen Gebäude, die derzeit verfallen. Und eine Schokoladensorte wäre ganz alleine für die Elbphilharmonie reserviert: zartbitter, natürlich.

Touristen jedenfalls hätten etwas zum Gucken - und darum geht es ja. Vielleicht sollte die Idee aber auch schnell vergessen werden. Sonst stellt irgendwann noch jemand einen Schokoladenbrunnen in die Binnenalster.