Parkour-Trend in Hamburg

Über Mauern und Bänke - geschmeidig wie James Bond

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"Parkour" erobert die Stadt. Viele der Sportler wollen mit den steinernen Hürden auch Hürden im Kopf überwinden und neues Selbstbewusstsein erlangen.

Hamburg. Eine Gruppe von acht Hobbysportlern krabbelt auf allen Vieren die Stufen zum Michel empor. Ein junger Mann springt auf, hechtet auf eine zwei Meter hohe Mauer. Passanten gucken verwundert: Was soll das? Bei den Übungen handelt sich um Parkour – eine Sportart aus Frankreich, die mittlerweile sogar in Kursen gelehrt wird – etwa beim Eimsbüttler Turnverband (TV) in Hamburg.

Ziel von Parkour ist es, typische Hindernisse einer Stadt möglichst elegant und schnell zu überwinden. Viel Kraft braucht man dafür. Viele der Sportler wollen mit den steinernen Hürden auch die in ihrem Kopf überwinden und mehr Selbstbewusstsein erlangen. Seit zwei Monaten zeigen der 21-jährige Aljoscha Liebe und Florian Wagensommer (32) – trainierte Männer, schlank und wendig – den Sportlern, wie Parkour funktioniert. Nachmittags sind ihre „Lehrlinge“ Kinder und Jugendliche, abends kommen Männer und Frauen um die 30 – Büroangestellte, Webentwickler, Studenten.

Am Michel finden sie optimale Bedingungen. „Du musst nicht gegen die Mauer springen, sondern hoch“, erklärt Florian der Sportlerin Anja Hanssen. Die 32 Jahre alte Chefsekretärin steht vor der Mauer an den Treppen hoch zum Michel. Sie nimmt Anlauf, krallt sich fest und zieht sich hoch. Geschafft! „Ich war den ganzen Tag schon nervös“, gibt sie zu. „Ich hab einfach Angst, dass ich rückwärts runterfalle.“ Da könne schon einiges passieren, meint Florian. Er habe sich schon Bänder gerissen und den Knöchel verstaucht.

Seit der Anfangsszene im James-Bond-Film „Casino Royal“, in der Schauspieler Daniel Craig elegant flieht, sind die Bewegungen von Parkour auch einer breiten Masse bekannt. Als Erfinder gilt der Franzose David Belle, der die Bewegungen Ende der 80er Jahre entwickelte. Sein Vater soll als ehemaliger Vietnamsoldat gelernt haben, sich auf der Flucht möglichst schnell über natürliche Hindernisse zu bewegen. Das habe sein Sohn spielerisch auf Beton- und Stahl-Hürden im Pariser Vorort übertragen, so die Geschichte.

Aljoscha Liebe bevorzugt die kleinen Grünflächen in Hamburg. „Meine Lieblingsstelle in Hamburg ist Planten und Blomen“, sagt er. Bei gutem Wetter treffen sich in der Parkanlage viele Jugendliche. Vor etwa fünf Jahren kam der Trend nach Hamburg. „Zunächst haben wir uns über das Internet verabredet und dann zusammen geübt“, so der 21-Jährige. Einen offiziellen Trainerschein für die Sportart gibt es noch nicht. Für die beiden Übungsleiter ist es ein Hobby. Liebe ist Student, Wagensommer Redakteur. „Uns geht es bei dem Sport um die geistige Kontrolle. Man geht immer wieder an seine Grenzen und muss sich überwinden“, erklärt Wagensommer. „Das spiegelt sich auch im normalen Leben wider. Man hat auch weniger Angst vor Prüfungen.“