Mal kein Schiff, sondern ein Museumsflieger für Hamburg

Ein Verein restauriert den legendären Hansa Jet auf Finkenwerder

Finkenwerder. Dort hinten, da habe er schon einmal geschraubt, damals, Anfang der 80er-Jahre. Ludolf Ungerer deutet auf das Fahrwerk des kleinen Jets.

Als Lehrling in Ingolstadt lernte der heute 47-jährige System-Ingenieur der Lufthansa Technik, wie man Flugzeuge baut und wartet. Und genau dieser Hansa Jet, an dem er damals die ersten Kniffe lernte, steht nun seit Freitag in einer Ecke der Halle 104 auf dem Finkenwerder Airbuswerk. Hier soll das 1966 gebaute Flugzeug in den nächsten Jahren saniert werden.

Ungerer ist Vorstand des Vereins Hansa Jet für Hamburg. Ehrenamtlich und mithilfe von Sponsoren wollen die 83 Mitglieder, meist Techniker und Ingenieure aus der Flugzeugbranche, nun den Flieger entkernen und wieder aufbauen, sodass er als Museumsflugzeug wieder fliegen kann.

Die HFB 320 Hansa Jet (zwölf Passagiere) gilt als Meilenstein im deutschen Flugzeugbau. Sie war das erste deutsche in Serie gebaute Verkehrsflugzeug mit Strahlantrieb. Markantes Merkmal ist der nach vorne gepfeilte Flügel, der für ein besonders gutmütiges Flugverhalten sorgte.

Von 1964 bis 1987 wurden 47 Stück auf Finkenwerder gebaut, der Flugzeugtyp gilt damit als Wegbereiter der Hamburger Flugzeugproduktion. Mit Hansa Jets düsten deutsche Polit-Prominenz und Wirtschaftsbosse der 70er-Jahre durch die Welt. Und auch die Luftwaffe hatte diesen Flugzeugtyp im Einsatz. Heute fliegt keines der Exemplare mehr. Für Ungerer und seine Mitstreiter ist das Ansporn genug, nun dieses letzte Stück wieder an den Himmel zu bekommen. Gut eine Million Euro wird das kosten und voraussichtlich fünf Jahre dauern. Später soll der letzte Hansa Jet dann als eine Art Botschafter Hamburgs zu Flugveranstaltungen fliegen. Ungerer: "Wir sind alle flugzeugverrückt, und die Voraussetzungen fürs Fliegen zu schaffen ist fast so schön wie das Fliegen selbst."