Offen gesagt

Et hätt noch immer jot jejange

In der Bütt mit Tino Lange

Jedes Jahr ist es das Gleiche, et kütt wie et kütt: Der WDR-Produktionsassistent und sein Assistent steigen am 11.11. um 11 Uhr 11 hinab in die Katakomben des Kölner Archivhauses. Auf dem Weg stärken sie sich mit Kölsch (Bierersatzflüssigkeit im Rheinland, bekannt aus Hygieneartikelwerbung im Fernsehen) und Halve Hahn, passieren skelettierte Praktikanten und landen beim Giftschrank. An diesem Schrank sind zwei Schlösser, deren Schlüssel gleichzeitig mit dem Kommando "Eins! Zwei! Dreigestirn!" zu drehen sind. Und in dieser Büx der Pandora ist sie: eine Videokassette mit diversen Karnevals- und Prunksitzungen.

In den folgenden Wochen und Monaten sieht man dann beim WDR die Narrenkappe auf dem Senderlogo und vieles mehr: schunkelnde Menschen in kreischbunten Clownskostümen, die sich - "Tataa!" - von Tusch zu Tusch schleppen. Alaaf! Helau! Kokolores! Und spätestens am Rosenmontag haben die TV-Haupt- und Nebensender Narrenfreiheit. In der - bis auf wenige Ausnahmen - karnevalsfreien Zone Hamburg fragt man sich: Sind die jeck?

Und doch verfolgt einen der Karneval bis in die Hansestadt. Am kommenden Montag habe ich einen Interview-Termin mit einer Hamburger Sängerin. Vorab fragte ich vor wenigen Augenblicken ihre PR-Agentur, bis wann sie denn die Zitate bekommen müsse, um sie autorisieren zu lassen. Die Antwort ließ nicht auf sich warten: "Auf keinen Fall am Montag, da arbeitet hier KEINER." Nachgeschaut: Die Agentur sitzt in Köln. Ich ging dann dorthin, wo der Hamburger am liebsten lacht. In den Keller.