Offen gesagt

Der Apfel hat braune Stellen

Ein Kommentar von Alexander Josefowicz

Das "Horst-Wessel-Lied", die Hymne der NSDAP, ist verboten. Wer es verbreitet, macht sich strafbar. Gestern berichtete nun die "Hannoversche Allgemeine", dass man eben diesen Titel ganz offen im iTunes Store kaufen kann, als Teil eines Albums mit dem Titel "SS Schutzstaffel". Apple reagierte prompt: Schon am Mittag war das Album verschwunden, Suchanfragen liefen ins Leere. Ist jetzt alles in Ordnung?

Mitnichten. Anscheinend verfolgt der Konzern auch weiterhin die Politik, nur öffentlich Beanstandetes zu entfernen. Immer wieder wird über rechtsradikale Inhalte bei iTunes berichtet. Und in der Folge werden die angeprangerten Artikel gelöscht. Darüber hinaus passiert nicht viel.

Denn nach wie vor findet man dort Musik der rechten Szene. Wer sich auskennt, wird schnell fündig. Es gibt Alben von Bands wie Ad Hominem und Kristallnacht oder als historische Dokumentation deklarierte Originalaufnahmen: "Leibstandarte A. H." steht wie ein Qualitätsprädikat hinter einer Aufnahme. Selbst die deutsche Band Absurd, deren Mitglieder 1994 für den Mord am 15-jährigen Sandro Meyer verurteilt wurden, findet man dort, wo Apple damit wirbt, nur streng kontrollierte Inhalte zuzulassen.

Dass den Argusaugen der kalifornischen Sittenwächter kein Schimpfwort entgeht, geistige Brandstifter jedoch ungehemmt ihre Hassparolen verbreiten dürfen, ist widerlich.