Familie

Akuter Hortplatz-Mangel in Klein-Borstel

Foto: Marcelo Hernandez

Wegen der geplanten Hortreform reduzieren viele Kitas nun ihre Plätze. Im kinderreichen Klein Borstel ist die Situation dramatisch.

Klein Borstel. Eltern, die in Klein Borstel einen Hortplatz suchen, haben es nicht leicht. Der Stadtteil im Hamburger Norden ist beliebt bei Familien mit Kindern. Erst vor wenigen Jahren ist ein großes Neubaugebiet entstanden. Doch jetzt droht die Situation zu eskalieren. Die Kita "Kleine Horst" hat angekündigt, ab sofort keine neuen Hortkinder mehr aufzunehmen. Betroffen sind vor allem die Schüler der nahen Albert-Schweitzer-Schule. "Das ist eine unhaltbare Situation, die viele Eltern vor existenzielle Probleme stellt", sagt Katja Schleßelmann, deren Tochter im Sommer eingeschult wird. "Wir sind nicht bereit, das so hinzunehmen." In einem Brandbrief an Sozialsenator Dietrich Wersich (CDU) und die Fachpolitiker der Fraktionen protestieren die Eltern gegen den Hort-Notstand und fordern eine schnelle Lösung des Problems.

"Es war ein Schlag aus heiterem Himmel", sagt Ulrike Laschke. Eigentlich, sagt die Mutter von Laura, Henri und Matteo, hatten sie und ihr Mann Dirk alles perfekt geplant. Schon jetzt besuchen die beiden großen Kinder die Kita Kleine Horst, auch Baby Matteo war ein Krippenplatz zugesagt. Dann seien sie plötzlich von der Nachricht überrascht worden, dass Laura nach der Einschulung im Sommer nicht weiter betreut werden könne. "Wir stehen vor einem Riesenproblem, denn es gibt auch keine anderen Hortplätze im Umkreis", sagt die Prokuristin in einer Reederei, die genau wie ihr Mann voll berufstätig ist.

"Viele Einrichtungen sind verunsichert und wissen nicht, wo der Zug hingeht", sagt Martin Peters, Fachreferent beim Paritätischen Wohlfahrtsverband, der 280 Kitas vertritt. Er beobachtet einen Trend, "dass verstärkt Hortplätze zurückgebaut werden". Das ist sozusagen die Kehrseite des geplanten Ausbaus der Ganztägigen Bildung und Betreuung, kurz GBS, die ab 2013 eine kostenlose Betreuung bis 16 Uhr an den Schulen vorsieht. Die Kita "Schatzkiste" in Ottensen hat deshalb schon im Herbst den Hort dichtgemacht. Kein Einzelfall. "Auch einige unserer Kitas haben sich schon auf den Weg gemacht. 160 Hortplätze sind abgebaut worden", sagt Ulrike Kotthorst von der Diakonie Hamburg.

Das Problem für die Eltern: In der Übergangsphase bis zur Umsetzung der Hortreform sinkt die Zahl der Betreuungsplätze erst mal. So wie in Klein Borstel. Dort war die Kita Kleine Horst, die von der Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten betrieben wird, erst im Herbst in ein neues Gebäude umgezogen. Vorher waren die Kinder - vom Krippen- bis zum Hortalter - in Containern auf dem Gelände der Albert-Schweitzer-Schule untergebracht. "Die Sozialbehörde hat uns für den Neubau aber nur eine Kapazität von 80 Kindern genehmigt", sagt Geschäftsführerin Franziska Larrá. Angesichts der Debatte um die Hortreform habe man dann entschieden, die Plätze verstärkt an Krippen- und Elementarkinder zu vergeben. "Da ist der Bedarf auch riesig." Und die Betreuung zukunftsträchtiger. Parallel hatte es bereits im vergangenen Jahr Verhandlungen mit der Albert-Schweizer-Schule gegeben, um direkt an der Schule neue Hortplätze zu schaffen. "Doch das ist bislang gescheitert", sagt Larrá. Seine Begründung: "Investitionen im Hortbereich lohnen sich für Kita-Betreiber auf lange Frist nicht mehr."

Auch Überlegungen, sich gemeinsam mit der Schule für einen Frühstart in der Ganztagsbetreuung zu bewerben, scheiterten. "Die Eltern haben sich letztlich dagegen entschieden, weil die Ausstattung mit Finanzmitteln, Räumen und Personal im Vergleich zum bestehenden Hortsystem deutlich schlechter ist", sagt Schulleiter Olaf Pahl. Er sieht sogar einen Bedarf von bis zu 120 Hortplätzen an seiner Schule. "Die Situation ist für Kinder und Eltern dramatisch. Das muss sich ändern."

Nun soll in der nächsten Woche noch mal ein Gespräch stattfinden. Inzwischen hat Schulleiter Pahl sogar einen neuen Trumpf in der Tasche. "Es hat sich jetzt ein anderer Träger gemeldet, der ab Sommer einen Übergangsbetrieb gewährleisten würde, wenn die Sozialbehörde innerhalb von zwölf Monaten eine feste Zusage für einen Kita-Neubau auf unserem Gelände macht." Auch die Sozialbehörde hat sich nach dem Elternprotest eingeschaltet. "Wir sind auf der Suche nach einer Lösung", versichert Sprecherin Julia Seifert.