Serie: "100 Jahre Hamburg Airport" - Teil 2

Stromlinienförmig über Hamburg

Paul Bäumers legendärer "Sausewind" gilt als Prototyp des aerodynamischen Flugzeugbaus

Zahntechniker war er nur seinen Eltern zuliebe geworden, denn sein Herz gehörte ausnahmslos der Sportfliegerei: Paul Bäumer (1896-1927), gebürtiger Duisburger, war dann aber doch als einer der erfolgreichsten Jagdflieger aus dem Krieg heimgekehrt. Aber anstatt in seinen alten Beruf zurückzukehren, gründete er 1922 mit finanzieller Unterstützung eines wohlhabenden Kriegskameraden in Hamburg die Bäumer Aero GmbH.

Im Segelfliegerzentrum auf der Wasserkuppe in der Rhön, wo sich in jenen Tagen des alliierten Flugverbots die Crème der deutschen Flugzeugkonstrukteure mit Segelflugexperimenten die Zeit vertrieb, hatte er vier junge Ingenieure von der Technischen Universität Hannover (Siegfried und Walter Günter, Walter Mertens und Werner Meyer-Cassel), kennengelernt und sofort eingestellt. Denn wenn plötzlich ein Professor Hugo Junkers mit Erlaubnis der alliierten Kontrollkommission in Dessau zivile Flugzeuge bauen durfte, warum dann nicht auch der hochdekorierte Jagdflieger Paul Bäumer?

1924 war es dann so weit: Der "Rote Vogel", ein motorisierter Segelflieger, war das erste in Hamburg erdachte Flugzeug und einer der Vorläufer des "Sausewinds", des berühmten Rekordflugzeugs, das rasanter steigen und schneller und höher fliegen sollte als alle anderen Flugzeuge, obwohl es bloß von einem Wright-L4-Gale-Motor mit 65 PS angetrieben wurde. Das Geheimnis des zweisitzigen Tiefdeckers waren sein stromlinienförmiger Rumpf, die elliptische Flügelform und die glatte Außenhaut. Bäumer, der in Hamburg das Image eines Helden genoss, gewann damit viele Rennen und stellte mehrere Geschwindigkeitsrekorde auf. Doch am 15. Juli 1927 stürzte er während eines Testflugs mit dem Jagdflugzeug "Rofix" bei Kopenhagen tödlich ab. Zehntausende Hamburger gaben ihm das letzte Geleit bis zum Ohlsdorfer Friedhof.

Ohne Bäumers treibende Kraft wurde die Aero GmbH flügellahm. 1931 heuerten Siegfried und Walter Günther in Ernst Heinkels Rostocker Werk an, wo sie Schnellflugzeuge wie die Heinkel 70 "Blitz" entwickelten. Die Aero GmbH wurde im Oktober 1932 aus dem Hamburger Handelsregister gelöscht.