Hamburg-Besuch

Auma Obama: "Ich bin nicht die zweite Wahl"

Foto: Thomas Frankenfeld

Die Schwester von Barack Obama besuchte die US-Generalkonsulin in Hamburg. Interna über ihren mächtigen Bruder verriet sie dabei nicht.

Hamburg. Das Wort Halbschwester kann sie nicht ausstehen. "Bei uns machen wir keine halben Sachen", sagt sie mit Nachdruck, und ihre dunklen Augen funkeln. Wer diese Frau trifft, glaubt ihr das schon nach wenigen Sätzen. Intensiv ist sie und bis an die Schmerzgrenze direkt. Ihr wohlklingendes Deutsch lässt die enorme Arbeit ahnen, die sie in diese Sprache gesteckt hat. "Ich kann mir vorstellen, dass ihr Bruder sehr stolz ist auf sie", murmelt jemand. Ach ja, ihr Bruder. Die Frau lässt einen ja fast vergessen, weshalb alle Welt neugierig auf sie und ihre gerade erschienene Autobiografie "Das Leben kommt immer dazwischen" (Lübbe-Verlag) ist.

Auma Obama ist Schwester des mächtigsten und derzeit berühmtesten Mannes der Welt. Kennengelernt hat sie ihren "kleinen Bruder" Barack Obama erst 1984, als sie bereits 24 Jahre alt war. Dreimal war Barack Obama senior, der 1982 unter ungeklärten Umständen starb, verheiratet. Auma stammt aus der ersten Ehe mit Obamas Frau Kezia; Barack Obama II. aus der Ehe mit der Amerikanerin Stanley Ann Dunham.

Nun sitzt Auma Obama unter dem prächtigen Weihnachtsbaum in der Privatresidenz der amerikanischen Generalkonsulin Inmi Patterson , der sie freundschaftlich verbunden ist, am fast zugefrorenen Rondeel-Teich. Einige privat geladene Gäste sind erschienen und blicken erwartungsvoll auf die lebhafte Person mit dem gut geschnittenen Gesicht und den Rastazöpfchen. Interna aus der Barack-Familie oder sonstwie Enthüllendes über den 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten sind von ihr nicht zu erwarten - den Zahn zieht sie ihren Gesprächspartnern schnell. Und wer sie überhaupt nur einlädt, weil sie die "Schwester von" ist, bekommt sie schon gar nicht zu sehen. "Manche Leute sagen, okay, an Barack Obama kommen wir nicht heran, dann holen wir uns eben seine Schwester. Aber zweite Wahl bin ich nicht."

Behutsam steuert die promovierte Psychologin Patterson das Gespräch, die promovierte Germanistin Obama antwortet, eloquent und gestenreich. So erfährt man doch noch etwas über ihre Beziehung zu ihrem Bruder. Sie war Studentin in Heidelberg, als sie überraschend ein Brief von einem Barack Obama erreichte. Sie erschrak, denn ihr Vater war bereits zwei Jahre tot. Als sich herausstellte, dass das Schreiben von ihrem Bruder war, den sie nie kennengelernt hatte und der in der Familie nur als "Barry" bekannt war, wurde sie nervös. Was, wenn sie ihn kennenlernte und er ihr unsympathisch wäre?

Einige Zeit später wartete ein schlaksiger Mann in Polohemd und Leinenhose auf sie am Bahnhof von Chicago. Und eine Last fiel von ihr ab. "Es war, als hätten wir uns schon immer gekannt", sagt sie. Später wird er sie in Kenia besuchen, und alle drei - Barack, seine Michelle und Auma - werden auf einer Autobahn in Nairobi mit Aumas altersschwachem Käfer liegen bleiben. "Und ich versuche hier, meine Braut zu beeindrucken", stöhnte Obama.

Dass ihr Bruder zum Präsidenten der USA wurde, hat ihr Leben fraglos verändert. Doch Auma Obama nutzt Namen und Popularität nicht für sich, sondern für ihre Arbeit. Nachdem sie in Kenia aufgewachsen ist, in Deutschland 16 Jahre lang lebte, studierte und ihre erste Liebe erlebte, dann einige Jahre in England verbrachte, ist sie nun wieder in Kenia zu Hause. Auma Obama arbeitet für Care International, sie koordiniert die Initiativen "Sports for social change" und "Box-Girls". Es geht darum, kenianischen Jugendlichen ohne Perspektive über den Sport zunächst einmal Selbstbewusstsein zu verleihen.

Auma hat davon genug, um etwas abzugeben. Alles sei schon in ihr angelegt gewesen, sagt sie, es habe nur wie bei einem Rohdiamanten erst zum Vorschein gebracht werden müssen. So soll es auch mit Afrika geschehen. Den Begriff Entwicklungs-"Hilfe" lehnt sie ab: Die Menschen sollen sich nicht auf andere verlassen, sondern die Ärmel aufkrempeln und selber etwas tun. "Sie ist die Verkörperung von 'Yes we can'", sagt jemand später. Da ist er wieder, der Bezug zum großen "kleinen Bruder". Aber in diesem Fall dürfte er ihr recht sein.