Bahn entschädigt Fahrgäste im Pannenzug

Passagiere mussten stundenlang ohne Heizung ausharren, nun bekommen sie 250 Euro

Tremsbüttel. Die Deutsche Bahn will ihre Kunden, die am Donnerstagabend stundenlang in einem bei Tremsbüttel (Kreis Stormarn) liegen gebliebenen Regionalexpress ausharren mussten, großzügig entschädigen. Jeder, der eine Fahrkarte vorweisen kann, bekomme 250 Euro, sagte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Über die Zahl der Betroffenen gibt es unterschiedliche Angaben. Meyer-Lovis sprach von etwa 500, ein Notfallmanager der Bahn hatte am Donnerstagabend vor Ort "knapp 600" geschätzt.

Der Bahnsprecher räumte Fehler beim Notfallmanagement ein. Die Panne hatte einen Großeinsatz des Stormarner Katastrophenschutzes ausgelöst, an dem etwa 130 Helfer beteiligt waren. Nach Auskunft der regionalen Rettungsleitstelle in Bad Oldesloe erlitten fünf Fahrgäste Kreislaufzusammenbrüche, drei von ihnen mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden. Meyer-Lovis: "Es hat einfach zu lange gedauert. Wir entschuldigen uns bei jedem Reisenden, der hier so lange festgesessen hat." Er kündigte eine interne Aufarbeitung des Vorfalls an.

Der Regionalexpress 21 424 von Hamburg nach Lübeck war am Donnerstag um 16.10 Uhr mit vierminütiger Verspätung im Hamburger Hauptbahnhof abgefahren. 42 Minuten später sollte er in Lübeck eintreffen. Doch um 16.33 Uhr endete die Fahrt am Rande des kleinen Dorfes Tremsbüttel wenige Kilometer nördlich von Bargteheide. Meyer-Lovis: "Ein anderer Zug hatte in einem etwa vier Kilometer langen Abschnitt der Oberleitung einen Dauerkurzschluss verursacht."

Ein Problem, das die Bahn schnell in den Griff zu bekommen hoffte. Eine Diesellokomotive aus Hamburg wurde angefordert. Doch sie konnte den Hamburger Hauptbahnhof aufgrund einer Weichenstörung nicht verlassen.

Als auch nach Stunden nichts geschehen war, brach im Zug Panik aus. Reisende berichteten dem Abendblatt, die Heizung und die Beleuchtung seien ausgefallen, bald darauf seien auch die Toiletten übergelaufen. Christian Rudolph, 36, aus Frankfurt am Main, der mit seiner vierjährigen Tochter Jennifer zu seinen Eltern nach Lübeck fahrten wollte, sagte: "Irgendwann ist das Licht ausgegangen, die Leute haben geschrien, und keiner hat uns gesagt, was los ist."

Es war etwa gegen 18.45 Uhr, als einige Fahrgäste die Notfallentriegelung der Türen betätigten. Andere, so berichteten Augenzeugen später, hatten zu diesem Zeitpunkt versucht, Fenster einzuschlagen. Zu dieser Zeit erreichten die Stormarner Polizei die ersten Notrufe aus dem Zug.

Markus Hilchenbach, Leiter der regionalen Rettungsleitstelle: "Die Polizei rief dann bei uns an, ob wir etwas wüssten. Aber wir wussten nichts." Auf Nachfrage hätten Mitarbeiter der Notfallleitstelle der Bahn in Hannover erklärt, alles sei unproblematisch.

Polizisten der Bargteheider Wache machten sich denoch auf den Weg zum Bahngleis. Als sie um 19.11 Uhr meldeten, es gebe Tumulte im Zug, mehrere Personen seien kollabiert und andere hätten den Zug verlassen, löste der Kreis Stormarn Großalarm aus. Etwa die Hälfte der Reisenden wurde von Feuerwehrleuten in eine rund einen Kilometer entfernte Tremsbütteler Turnhalle gebracht Dort standen Helfer mit heißem Tee bereit.

Von Tremsbüttel aus wurden die Reisenden später am Abend mit Bussen nach Lübeck gefahren. Unterdessen schleppte die zwischenzeitlich eingetroffene Diesellokomotive den Zug mit den übrigen Fahrgästen zurück nach Bargteheide.

Erst gegen 22.30 Uhr normalisierte sich der Zugverkehr zwischen Hamburg und Lübeck wieder.