Offen gesagt

Die Besten der Besten der Besten

Eine Empfehlung von Alexander Josefowicz

Weihnachten, Zeit der versonnenen Rückschau auf das vergangene Jahr. Was war bemerkenswert, was hat man gern gehört, welche Künstler haben eine wirklich gute Platte auf den Markt geworfen? Die Suche nach kompetenter Beratung hat ein Ende: Der nette Elektrosupermarkt von nebenan weiß es. Neben erstaunlichen Erkenntnissen darüber, wie man Mann in den Laden lockt - "Da kannste alles anfassen, ohne eine geknallt zu kriegen" brüllt einem Mario Barth entgegen - bietet der rote Riese im neuesten Prospekt "Die Besten 20 Alben aus 2010" feil. Schon der Slogan macht stutzig: Wortreihung und -schreibung wirken wie von Google übersetzt. Aber für rhetorische Finesse ist der Laden ja eh nicht bekannt. Der Blick schweift also über die Crème de la Crème des Jahres.

Fünf Best-Of-Alben und die Filmmusik zum neuesten Teil der Twilight-Vampirschmonzette? Bryan Adams und die Flippers? Andrea Berg und Leslie Mandoki? Um im Werbesprech zu bleiben: Vielleicht hätten sie jemanden fragen sollen, der sich mit so was auskennt. Vielleicht aber liegen auch nur dermaßen viele Exemplare von Reamonn, DJ Ötzi und Unheilig in den Lagern herum, dass man sich der altbewährten Taktik der "Rumfort"-Resterampe bedient: Alles, was noch rumliegt, muss fort. Und weil man für reguläre Entsorgung bezahlen muss, verklappt man Adoro und Co. halt beim Kunden und verdient sogar noch Geld damit. Wie ging noch einer dieser dezenten Werbesprüche? Ach ja: "Lasst euch nicht verarschen."