Einblicke

Bei Hamburgs interessanter Koalition war ich skeptisch

Foto: Roehrbein, Ingo (Hamburg, DEU) / Röhrbein

Nuno Ramos, 34, Aus Lissabon (Portugal)

Liebe Hamburgerinnen,

liebe Hamburger!

Als Portugiese fällt es mir leicht, Hamburg zu mögen. Ich meine, es gibt ein Portugiesenviertel und eine stolze Seefahrertradition - mehr Berührungspunkte zu meiner Heimat braucht man nicht. Dabei sind auffallend viele Hamburger gar keine Hamburger, sondern Zugereiste, die - wie ich - den Charme der Stadt für sich entdeckt haben und sich hier niederlassen. Ein großes Plus, wie ich finde, denn das unterstützt den multikulturellen und offenen Gestus dieser Stadt. Am deutlichsten wird das an meinen Lieblingsplätzen im Schanzen- und Karoviertel - dort lebt Hamburg.

Eine charakteristische Parallele zu meiner Heimat ist sicher auch die Gelassenheit der Hamburger. Es muss schon ein Koalitionsbruch sein, um einen Hanseaten aus der Ruhe zu bringen. Dabei fand ich das deutschlandweit einzigartige Bündnis anfangs höchst interessant, wenngleich ich skeptisch war. Denn auf dem Papier ähnelte es dem Zusammentreffen von Feuer und Wasser. Allerdings lief es - wieder ein Beleg für das unkonventionelle, offene Hamburg - anfangs erstaunlich gut, die CDU hat viele ihrer Ziele durchgesetzt. Aber spätestens beim Scheitern der Schulreform wurde deutlich, dass die Grünen zu viele Kompromisse in Bezug auf ihre Kernziele machen mussten. Ihr aktuelles Umfragehoch und die Auseinandersetzungen auf Bundesebene mit der CDU (Stichwort: Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke) haben sicher den Zeitpunkt der Trennung befördert und lassen die Grünen erstarken.

Die Gründe in Hamburg sind für mich nur allzu nachvollziehbar. Gerade im Kulturbereich steht Hamburg für Nischen. Und die wurden - sei es nun bei Museen oder Theatern - vom Senat in letzter Zeit gnadenlos zusammengestrichen. Am Ende war diese Koalition ein Schlag ins Gesicht der Grünen.

Nuno Ramos arbeitet seit drei Jahren in Hamburg als Redakteur beim Magazin "Welt der Wunder". Aufgezeichnet von Nico Binde