Gewinner und Verlierer des abrupten Endes der Regierung

Verlierer: Er war seinem politischen Traum ganz nah. Christoph de Vries, 35, hätte das Bundestagsmandat von Rüdiger Kruse übernehmen sollen, wenn dieser in die Finanzbehörde gewechselt wäre. Daraus wird nichts, und so wird sich der Mann auf Platz 5 der CDU-Liste weiter in der Bezirksversammlung Mitte mit Fußgängerübergängen auf der Reesendammbrücke und Müllentsorgung am Großneumarkt beschäftigen, statt im Reichstag große Politik zu machen. Wie hatte er gerade noch gesagt? "Freud und Leid liegen manchmal nah beieinander in der Politik."

Verliererin: Jüngst räkelte sich die Betriebswirtin und Frau von Hamburgs Erstem Bürgermeister Christoph Ahlhaus noch in festlicher Robe für die aktuelle "Bunte" auf einem schweren Sessel im Vier Jahreszeiten. "Mir fällt das Repräsentieren nicht schwer", sagte die First Lady, von ihrem Mann liebevoll "Fila" abgekürzt, bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Und sie genoss augenscheinlich die ihr zuteil werdende Aufmerksamkeit. Nun könnte die Zeit des öffentlichen "Powerpaares" (Bunte) schneller vorbei sein als in der Promi-Postille besungen.

Verlierer: Als Pressechef der Kohl-Regierung und oberster Kommunikator der Bauer Verlagsgruppe ist Medienberater Andreas Fritzenkötter anspruchsvolle Aufgaben gewohnt. Im Gegensatz zu seiner am Mittwoch beginnenden Anstellung als Chefberater von Christoph Ahlhaus im Rathaus hatte er aber bei seinen bisherigen Engagements einen gewichtigen Vorteil: Er hatte Zeit. Die ist nun bis zum 20. Februar knapp bemessen, um bei der aktuellen politischen Lage wählergewinnende Nachrichten zu lancieren. Eine vielleicht zu anspruchsvolle Aufgabe.

Gewinnerin: Sie hatte es nicht nur von Anfang an gewusst, sondern auch gesagt. Man trage Verantwortung für das, was man verspreche, hatte Emily Büning, die Bundessprecherin der Grünen Jugend aus Hamburg, im Sommer zu GAL-Fraktionschef Jens Kerstan gesagt und die Auflösung der Koalition gefordert. Damals hatte der noch was von "Regierungsverantwortung" geantwortet. Heute hört sich Kerstan eher an wie Emily Büning, zudem sagt er, man könne der GAL jetzt keine Flucht aus der Verantwortung vorwerfen. Würde die Grüne Jugend nie tun.

Gewinner: Auf den ersten Blick ist er zwar ein Verlierer. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Rüdiger Kruse war bereit, nach dem angekündigten Rücktritt von Finanzsenator Carsten Frigge dessen Amt zu übernehmen. Seine Partei und die GAL begrüßten die Personalie, Kruse hätte einiges bewegen können, und er wollte es. Doch es wäre wohl ein Amt auf (kurze) Zeit gewesen. Stattdessen behält er nun seinen Sitz in Berlin und bleibt parallel Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Zwei Jobs, von denen er sich ohnehin ungern getrennt hätte.