"Endlich hat das Trauerspiel im Rathaus ein Ende"

Viele Hamburger halten Neuwahlen für eine gute Lösung

Hamburg. Hinter seinem Rücken, im Rathaus, ging es politisch an diesem Sonntagnachmittag richtig hoch her. Mischa Kliewer aber musste den Verkauf von Punsch und Gebäck am Rande des Weihnachtsmarktes organisieren. Vom Platzen der Koalition hatte der Schausteller und Chef des Zirkus Mignon noch nichts mitbekommen.

"Wie? Die Grünen haben auf den Putz gehauen?", fragte er, als er erfuhr, dass die GAL beschlossen hat, das Bündnis mit der CDU zu beenden. Und dann reißt er die Arme hoch und sagt: "Endlich hat das Trauerspiel im Rathaus ein Ende!" Die Koalition sei ohnehin eine "Kompromiss-Ehe" gewesen. Jetzt gebe es Platz für neue Ideen. Eigentlich wäre bereits nach dem Rücktritt von Ole von Beust Zeit für eine Neuwahl gewesen, so Kliewer.

Er gehörte zu den wenigen Hamburgern, die erst spät vom Bruch der Koalition gehört hatten. Die meisten Menschen hatten gleich mittags davon erfahren. Wie Brigitte Baumann und ihre Freundin Svenja Thies, die bei Glühwein und Kakao auf dem Gänsemarkt standen. "Ich finde es super", sagte Brigitte Baumann aus der Neustadt. Es seien zu viele Fehler gemacht worden. Die Kürzungen in der Kultur und in der Bildung zum Beispiel. Das sei alles ein "einziges Kuddelmuddel" gewesen. "Diesen Bürgermeister hatten wir uns ohnehin nicht ausgesucht", sagte die Artdirektorin. Die Sache mit dem Ersten Bürgermeister, den sie nie gewählt hatten - sie schien viele Hamburger gestört zu haben.

"Die Kontinuität von Ole von Beust hat gefehlt", sagt der Geschäftsmann Farhad Vladi, der gerade die Poststraße entlangschlenderte. "Wir haben in Hamburg sehr, sehr gute Leute. Aber die besten Leute wollen eben leider nicht in die Politik." Dass ausgerechnet ein Mann aus dem baden-württembergischen Heidelberg Erster Bürgermeister an der Elbe werden musste, sei ein Fehler gewesen. "Wir brauchen jetzt wieder einen Hamburger als Bürgermeister", sagte Vladi.

Dass die schwarz-grüne Regierung nicht bis zu der planmäßigen Wahl 2012 durchgehalten hat, stört dagegen die frühere "Tagesschau"-Sprecherin Dagmar Berghoff, die mit ihrer Schwester Marianne über die Weihnachtsmärkte in der City spazierte. "Das ist bedauerlich", sagte sie.