TV-Quoten: Fünf Fragen an Hubertus Meyer-Burckhardt

Deutsches Fernsehen ist das beste weltweit

Hubertus Meyer-Burckhardt, 54, Film- und Fernsehproduzent.

1. Hat die ARD etwas falsch gemacht, wenn sich eine von Kritikern hoch gelobte Serie wie "Im Angesicht des Verbrechens" als Zuschauerflop erweist?

Hubertus Meyer-Burckhardt:

Mir ist das zu billig, dass jetzt wieder alle jammern: Der Sender ist schuld. Mein Selbstverständnis als Produzent ist es, dem Sender herausragende Qualität zu liefern, die gleichzeitig gute Quote erzielt. Qualität, die sich auf nahezu jedem Sendeplatz zeigen lässt. Ich glaube ohnehin nicht an gute und schlechte Sendeplätze. In Zeiten, wo jeder Platz umkämpft ist, ist auch jeder attraktiv. Im Fall von "Im Angesicht des Verbrechens" liegt der Fall meiner Meinung nach so: Seitens der Produktion wurden Quotenerwartungen geweckt, die der Realität nicht standgehalten haben.

2. Will der Zuschauer überhaupt anspruchsvolles Fernsehen?

Meyer-Burckhardt:

Ein kluger Mann hat einmal gesagt: Der Zuschauer möchte vom Bekannten überrascht werden. Das Publikum verlangt nach hochqualitativem Fernsehen, das sich ja auch zu großen Teilen im Programm wiederfinden lässt. Ich halte das deutsche Fernsehen nach wie vor für das beste weltweit. Allerdings muss man akzeptieren, dass auch ein hochwertiges Buch nicht dieselben Verkaufszahlen erzielt wie ein Mainstream-Buch. Das ist beim Fernsehen nicht anders.

3. Was sind die Strategien der Fernsehmacher, die jüngeren Zuschauer in Scharen zu erreichen?

Meyer-Burckhardt:

Leider gibt es keine Strategie, die heißt: Wie mache ich einen Hit für junge Leute. Mit der Comedyserie "Doctor's Diary" aber ist es der Produzentin Beatrice Kramm gelungen, bei RTL das junge Publikum vor den Bildschirm zu locken, das man dort längst in großer Zahl für deutsche Fiktion verloren glaubte. Die Jungen schalten aber auch Formate ein, von denen man es nicht auf den ersten Blickvermuten würde. Die NDR-Kultreihe "Neues aus Büttenwarder" ist so ein Fall. Da stimmt wohl der Mix aus Thema, Besetzung, Umsetzung.

4. Es gibt nachweislich ein Publikum für anspruchsvolles Erzählfernsehen. Warum sieht dieses Publikum wenig fern?

Meyer-Burckhardt:

Wenn man Pessimisten glaubt, ist die Fernsehkultur im Niedergang. Was ich nicht glaube! Solange RTL mit einem Wissensquiz Marktführer ist, ist der Niedergang des Abendlandes wohl nicht zu befürchten.

5. Gibt es überhaupt noch Formate für die ganze Familie?

Meyer-Burckhardt:

Das Lagerfeuerfernsehen ist abgelöst worden vom Kiosk-Fernsehen, das eine große Palette unterschiedlicher Produkte und Kanäle bietet. Ich als Freund der Vielfalt und des Wettbewerbs empfinde diesen Wandel nicht als tragisch.