Gott und die Welt

Mutig bekennen: Wo Umkehr nottut

Haben Sie's bemerkt? Vor drei Tagen haben wir den Buß- und Bettag begangen. Ein gesetzlicher Feiertag ist der Bußtag schon lange nicht mehr. Die Politik hat diesen 1994 abgeschafft; vielleicht in der fälschlichen Annahme, dass unser Volk genug Buße getan hat nach der großen Schuld, die es durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft auf sich geladen hatte. Vielleicht aber auch nur, weil wir die Produktivität unserer Wirtschaft erhöhen, wenn wir einen Tag im Jahr mehr arbeiten.

Das Wort "Buße" ist uns fremd geworden. Dabei meint es nichts anderes, als die eigene Schuld, von der niemand frei ist, zu erkennen und sie offen zu bekennen. Wohlgemerkt - die eigene Schuld. Der Theologe und Nazigegner Martin Niemöller sagte in einer Predigt am Buß- und Bettag 1934: "Das ist von alters her und bis auf diesen Tag die Lieblingssünde der frommen und anständigen Leute gewesen, dass wir uns selbst zu Richtern machen und uns selber freisprechen, indem wir andere verurteilen oder feststellen, dass andere von Gott verurteilt sind."

Sünde - das ist die Entfernung von Gott. Wer immer sich von Gott entfernt, tut gut daran, umzukehren, Buße zu tun. Dazu kann es nötig sein, zu bereuen, um Gnade zu bitten und Besserung zu geloben. Wer glaubt, der will Gott das Gericht überlassen. Wer glaubt, der weiß, dass Gott uns Menschen die Wahlfreiheit lässt, welche Richtung wir einschlagen - das Böse oder das Gute tun. Da ist Umkehr beizeiten angesagt.

Auch die Kirche, die Gemeinschaft der Glaubenden auf dieser Erde, ist ohne Buße nicht vorstellbar. Es gibt - Gott sei es geklagt - genug Anlass auch für sie, die eigene Schuld zu bekennen, Gott um Gnade zu bitten und vor ihm und den Menschen Besserung zu geloben.

Wer diesen Weg aber gegangen ist, wird erleichtert einen neuen Weg weitergehen. Das Belastende ist ausgesprochen, benannt. Es kann nicht mehr wirklich gefährlich werden, uns nicht mehr beherrschen. Das Unrecht wird beim Namen genannt, Opfer erfahren Genugtuung, den Tätern wird geholfen, die eigene Schuld zu erkennen und zu bereuen. Welche Befreiung wartet dort: Wo das Beschweigen der Schuld ein Ende hat, kann Selbstvertrauen wieder wachsen.

jfbollmann.bkhh@nordelbien.de