Der Leserbotschafter

Adventskalender entpuppte sich als Abo-Falle im Internet

Unser Leserbotschafter Ralf Nehmzow befasst sich jeden Donnerstag mit neuen Fällen.

Haben Sie Sorgen, Probleme im Alltag? Ralf Nehmzow ist Leserbotschafter des Hamburger Abendblatts, er vermittelt, hilft, engagiert sich für die Interessen der Leser. An den ersten Donnerstagen im Monat lässt er in seiner Kolumne Leser mit jeweils drei Fällen zu Wort kommen, konfrontiert damit die betroffenen Behörden, Institutionen und Unternehmen. Nicht alle Ärger-Fälle lassen sich lösen, manchmal gibt es nur Erklärungen. Am jeweils letzten Donnerstag dokumentiert er den "Fall des Monats" mit Ergebnis.

Fall 1: Daten-Missbrauch im Internet

Bärbel H., 75, aus dem Kreis Pinneberg surfte unlängst im Internet auf die Seite "der-Adventskalender.com", dort heißt es: "Der Weihnachtsmann wartet bereits auf Sie! Füllen Sie das Formular komplett aus und öffnen Sie sofort die Türchen!" Statt Geschenke gab es eine Abo-Falle! Bärbel H.: "Ich musste meine Daten angeben. Ich erhielt eine Mitteilung, dass ich etwas für 96 Euro gekauft habe. Ich kündigte sofort. Ich habe eine Rente von 500 Euro im Monat. Nun bekam ich Post von einem Inkassobüro, 174,71 Euro soll ich bezahlen."

Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg rät bei derartigen Fällen: "Zahlen Sie nicht. Bleiben Sie stur. Lassen Sie sich nicht von Inkasso- oder Anwaltsbriefen unter Druck setzen. Dutzende von Beschwerden erreichen uns täglich. , z. B. werden Kochrezepte, Hilfe bei den Hausaufgaben, Routenplanung versprochen. Die Angebote sind nur ein Trick, um an persönliche Daten zu kommen. Aber: Ein entgeltlicher Vertrag kommt nicht zustande, solange der Preis nicht klar und deutlich angezeigt wurde." Vorsicht bei dubiosen Webseiten.

Fall 2: Sessel kaputt, was nun?

Pensionär Klaus Eddicks, 77, aus Rahlstedt hat einen Bürosessel gekauft bei dem Designer-Geschäft Riess Ambiente, Hamburger Straße. "Knapp anderthalb Jahre später brach eins der fünf Räder von dem Gestell, einem Fußkreuz, ab, als ich ihn ganz normal an meinen Schreibtisch rollte. Ich reklamierte den Schaden mehrfach per Einschreiben. Nach dem zweiten Brief rief mich ein Mitarbeiter an und stellte mir in Aussicht, das Gestell auszutauschen. Beim Vorschlag blieb es, zwei Monate nach meiner ersten Reklamation."

Klaus Hörmann, Leiter des Kundenservice von Riess Ambiente, sagt: "Dieser Bürosessel wird von uns nicht mehr nachgekauft. Wir haben Ersatz bestellt und werden zeitnah dafür Sorge tragen, dass der Kunde sich ein Fußkreuz für den Sessel abholen kann." Problem erkannt und reagiert.

Fall 3: Verärgert über Sozialverband

Hans-Erich Strahl, 66, aus Neu-Wulmstorf schreibt: "Nach meiner Verrentung wegen Schlaganfall und anschließender Erwerbsunfähigkeit wurde ich Mitglied im Sozialverband VdK. Bei mir klingelte neulich eine Dame unangekündigt und sagte, dass sie vom VdK komme und mich als Mitglied beraten wolle. Sie bot mir eine Sterbegeldversicherung, Unfallversicherung und Rechtsschutzversicherung an. Sie gab mir einen Vordruck des VdK, in dem für Vorsorge geworben wird und worin der VdK ankündigt, der Hamburg-Mannheimer-Versicherung meinen Namen, Anschrift und Geburtsjahr mitzuteilen. Das empfinde ich als dreist."

Dazu nimmt Peter Broll, Landesgeschäftsführer Sozialverband VdK Hamburg e. V., Stellung: "Wie alle Mitglieder wurde auch Herr Strahl schriftlich über die Weitergabe von Daten an die Hamburg-Mannheimer und die Möglichkeit des Widerspruches informiert, als ihm die Mitgliedsunterlagen übersandt wurden. Insofern hat sich der VdK an die geltenden Regeln gehalten. Allerdings ist das hier geschilderte Vorgehen der Mitarbeiterin von der Versicherung nicht regelkonform, wenn diese sich als Mitarbeiterin des VdK ausgibt. Das bedauern wir sehr. Und: Die Gruppenversicherungsverträge mit der Hamburg-Mannheimer Versicherung AG bzw. heute ERGO bestehen seit über 40 Jahren und viele Mitglieder profitieren von den Angeboten." Nicht die feine Art.

So erreichen Sie den Leserbotschafter: Schicken Sie bitte Ihre Alltagsärger-Fälle, kurz skizziert, mit Ihrer Telefonnummer per E-Mail an: Leserbotschafter@Abendblatt.de oder an: Leserbotschafter Ralf Nehmzow, Chefredaktion Hamburger Abendblatt, Axel-Springer-Platz 1, 20350 Hamburg.