Einblicke

Der Fisch schmeckt in Japan immer noch besser

Foto: Michael Rahn

Liebe Hamburgerinnen,

liebe Hamburger!

Das ist wirklich lustig: Jetzt, wo ich ganz, ganz weit weg von Japan bin, lebe ich endlich einmal so wie die meisten Japaner: in unmittelbarer Nähe des Wassers. Japan besteht ja aus unzähligen Inseln, weshalb das Gros meiner Landsleute es nicht weit bis zur nächsten Küste hat. Für mich gilt das allerdings nicht: Ich komme nämlich aus einer Stadt in den Bergen.

Hier bei euch in Norddeutschland fehlen die mir nun so gar nicht - denn das Meer hat einfach eine ganz besondere Kraft, die, glaube ich, niemanden unberührt lässt. Allerdings bin ich gerade wegen der Nähe zum Meer etwas irritiert, dass ich in Hamburg noch keinen Fisch gegessen habe, der mir so richtig geschmeckt hätte. Bis dato bin ich schon noch der Meinung, dass wir Japaner in Sachen Maritimes die bessere Küche haben. Vielleicht ist die Tatsache, dass die Menschen in Japan unglaublich alt werden, der beste Beweis dafür.

Ein anderes Thema: der Tod von Loki Schmidt. Mich haben die Emotionen, die diese Nachricht hier in Hamburg ausgelöst haben, sehr beeindruckt! So viele Menschen - die Frau Schmidt ja zumeist wohl gar nicht persönlich kannten - haben Kerzen angezündet, sich ins Kondolenzbuch eingetragen, ihr Mitgefühl ausgedrückt. Ich fand das sehr schön. Zumal ich nicht weiß, ob es solche Reaktionen in der Form auch in Japan gäbe.

Denn dort arbeiten die Menschen sehr viel und sehr hart, schon die Schüler sind mit dem Unterricht und den Hausaufgaben eigentlich komplett ausgefüllt. Von daher bleibt einfach so gut wie keine Zeit mehr für irgendetwas anderes. Diese Arbeitsmoral geht sogar so weit, dass jemand, der sich mal - berechtigterweise - einen Tag Urlaub nehmen möchte, sofort komisch angeguckt wird. Euer deutsches Arbeitssystem finde ich da wirklich besser: Ihr nehmt euch eure Freizeit, auch wenn ihr ja durchaus nicht dafür bekannt seid, auf der faulen Haut zu liegen.

Für eine Sache möchte ich euch Hamburger noch loben: für eure muntere Herzlichkeit. Ja, es stimmt zwar schon, dass ihr generell erst einmal ein bisschen auftauen müsst, aber das finde ich nur ehrlich und sympathisch. Und wenn man euch dann etwas mehr kennengelernt hat, dann kann man auch richtig gut einen draufmachen.

Ein gutes Beispiel ist das Studentenwohnheim in Alsterdorf, in dem ich zurzeit lebe: Die Leute dort sind offen, freundlich und hilfsbereit, mittlerweile habe ich schon einige Partys mit ihnen gefeiert. Und dabei bereits auch einen echten Hamburger Trinkspruch gelernt: "Nich' lang schnacken, Kopp in' Nacken!"

Kayo Shakudo macht derzeit ein Praktikum im Bereich Lichtdesign bei der Firma Licht 01.