Kommentar

Nicht klagen, sondern wechseln

Der Strommarkt liefert ein schönes Beispiel für den Unterschied zwischen der Lehrbuchtheorie und der alltäglichen Praxis: Erst jeder fünfte Privathaushalt hat den Stromanbieter gewechselt, obwohl dadurch spürbare Einsparungen möglich sind - und obwohl ein solcher Wechsel vergleichsweise bequem und risikolos schon seit zwölf Jahren möglich ist.

Wären wir tatsächlich alle rational handelnde Teilnehmer am Wirtschaftsgeschehen, sähen die Zahlen wohl anders aus. Dabei riefen selbst Bundeswirtschaftsminister schon dazu auf, die Chancen zu nutzen, die die Liberalisierung bietet.

Erstaunlich geringen Zuspruch haben die Ökotarife. Hier scheinen Vorurteile im Spiel zu sein, die aber offensichtlich unberechtigt sind: Einige der Ökostromanbieter sind sogar günstiger als Konkurrenten, die sich aus konventionellen Kraftwerken eindecken. Hinzu kommt: Kunden, die sich für einen klimafreundlichen Tarif entscheiden, nehmen damit Einfluss auf die Art der Energieerzeugung in Europa, auch wenn der entsprechende Marktmechanismus nicht gerade leicht zu durchschauen ist.

Für die Trägheit der Verbraucher kommen eigentlich nur zwei Erklärungen infrage: Die - völlig unberechtigte - Angst, dass im Fall der Pleite des neuen Anbieters die Lichter im eigenen Haushalt ausgehen, vor allem aber die Scheu vor der vermeintlichen Unübersichtlichkeit des Angebots.

Doch wer sich davon abschrecken lässt, sollte nicht bei nächster Gelegenheit darüber klagen, dass die mächtigen Energieriesen sowieso den Markt beherrschen und man sich gar nicht dagegen wehren kann, zu ihren Milliardengewinnen beizutragen.