Offen gesagt

Liebling, lass uns hässlich tanzen

Eine Glosse von Tino Lange

Ich weiß nicht mehr, welcher Teufel mich vor eineinhalb Jahren geritten hat, eine Rockparty im Klub Bambi Galore ... in Billstedt ... zu besuchen. Aber der DJ war gut, und nach ein, zwei Getränken hielt mich bei Mando Diaos "Dance With Somebody" nichts mehr von der Tanzfläche fern. Der weibliche "Somebody", neben dem ich über den Boden glitt, war allerdings nicht so angetan von meiner Interpretation der menschlichen Lavalampe: "Du tanzt wie ein debiler Panda." Ich war tödlich beleidigt.

Erst jetzt habe ich festgestellt, dass man den "Panda" auch als Lob auffassen kann, als Anregung, das Nicht-Tanzen-Können noch zu perfektionieren. Denn am 23. Oktober steigt im Klub Terrace Hill im Medienbunker an der Feldstraße das Finale des 2009 ins Leben gerufenen jährlichen "Ugly Dance World Cup". Eine Weltmeisterschaft im hässlich Tanzen, sozusagen eine Antwort auf den gesellschaftlichen Drang zur Vereinheitlichung von Tanzschritten - und TV-Formate wie "Let's Dance".

Tango, Rumba, Paso Doble, Quickstep, Cha-Cha-Cha? Das alles bringt keine Punkte im Terrace Hill. Dort heißt es für die final nominierten Tanzgruppen wie "Team Remmidemmi" (Schweiz) oder "Chuckelines of Norris" (Luxemburg) in schräger Kostümierung allen Gesetzen der Standard- und Lateintanzschritte, der Schwerkraft und des guten Geschmacks zu trotzen.

"Wenn wir Deutschen tanzen, und nebenan tanzen Brasilianer, dann sieht das bei uns eben aus wie bei Kühlschränken", sagte einst Berti Vogts. Und wenn schon. Ob man nun schön tanzt oder Fußball spielt oder hässlich: Am Ende zählt nur der Weltmeistertitel. Panda ... pah!