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Googeln ohne Google - nur für Hamburger

Foto: Patrick Piel

Neben dem Branchenprimus Google gibt es kleine, spezialisierte Suchmaschinen - auch eine für die Hansestadt.

Hamburg. Es war im Jahr 2004, als der Durchbruch offiziell geschafft war. In seine 23. Auflage hatte der Rechtschreibduden das Wort "googeln" aufgenommen - womit der Internetkonzern nicht nur auf den Bildschirmen der Deutschen, sondern auch in deren Wortschatz präsent war. Mehr als 80 Prozent aller Suchanfragen laufen heute über Google , als Marktführer liegt das Unternehmen auf diesem Gebiet weit vor seinen größten Konkurrenten Yahoo und der Suchmaschine Bing des US-Konzerns Microsoft .

Doch es gibt auch viele kleinere Anbieter, die die Internetsuche mit einem besonderen Konzept organisieren und damit in eine Marktlücke stoßen, die Platzhirsch Google bislang noch nicht für sich entdeckt hat. Nicht zuletzt durch den umstrittenen Fotodienst Street View und die Speicherung der Nutzerdaten hat sich das Unternehmen den wenig schmeichelhaften Ruf eines Datenkraken zugezogen - und den Nutzern somit einen Grund geliefert, sich auch nach anderen Angeboten umzusehen. Außergewöhnliche Alternativen bieten zum Beispiel die Ökosuchmaschine Ecosia oder das von Datenschützern bevorzugte Modell Ixquick .

Eine Variante speziell für Hamburg haben sich Andre Schellenberg und Philip Hildebrandt ausgedacht. "Zwar ist die Grundlage unserer Suchmaschine ebenfalls die Technik von Google", sagt Schellenberg, "allerdings wird die Ergebnisliste von uns redaktionell bearbeitet." Ganz vorn stehen dann nur solche Ergebnisse, die einen direkten Bezug zur Hansestadt haben.

Hanseatisch suchen

Bei einer Google-Suche kann die Anzahl der Treffer schnell in die Hunderttausende gehen. Bei einer Suche mit der Hamburg-Suchmaschine ist das zwar auch der Fall, jedoch stehen hier die Ergebnisse ganz vorn, die einen direkten Bezug zur Hansestadt haben. Wer also nach einem Malerbetrieb sucht, bekommt auf den ersten Seiten nur Informationen zu Malerbetrieben in Hamburg und im nahen Umland - und erst sehr viel weiter hinten aus Berlin oder München. Hinter dem Konzept stehen Andre Schellenberg von der Medienvertretung Hamburg und Philip Hildebrandt von der Agentur Top the Web. "Rund 600 Unternehmen sind bislang bei der Hamburg-Suchmaschine eingetragen", sagt Schellenberg. Die Finanzierung erfolgt über Anzeigen. Ansonsten ist der Eintrag in das Verzeichnis kostenlos - genau wie die Suche.

www.hamburgsuchmaschine.de

Grün suchen

Jede Suchanfrage kostet Energie. Und zwar nicht nur die des Suchenden, indem er seine zehn Finger auf der Tastatur bewegt. Google arbeitet auf Hunderttausenden Computern und Servern, der Stromverbrauch ist immens. Jede einzelne Suchanfrage kostet dabei so viel Energie, wie man bräuchte, um eine Tasse Tee zu erwärmen. Ökosuchmaschinen wie Ecosia wollen das wiedergutmachen. Einerseits läuft Ecosia auf einem Server, der mit Ökostrom betrieben wird. Andererseits sollen mit jeder einzelnen Suche zwei Quadratmeter Regenwald gerettet werden. Das funktioniert über die Anzeigenerlöse: Ein Teil davon fließt in die Tasche des Berliner Betreibers, der Rest ist für ein Regenwaldprojekt der Umweltschutzorganisation WWF. Laut Ecosia wurden so schon 196 724 751 Quadratmeter Regenwald geschützt.

http://ecosia.org/

Sicher suchen

In einem Punkt darf man sich nichts vormachen: Die Google-Server wissen ziemlich genau Bescheid über das, was ihre Nutzer bewegt. Ob es die Suche nach der nächstgelegenen Autowerkstatt ist, nach einer Frau fürs Leben, oder ob man alles über die gesunde Ernährung von Zwerghamstern wissen will - die Wünsche und Interessen des Publikums sind kein Geheimnis mehr und werden dauerhaft gespeichert. Ohne jegliche Archivierung funktioniert jedoch Ixquick - laut Eigenwerbung die "datenschutzfreundlichste Suchmaschine der Welt". Ixquick verzichtet auf eine Speicherung der IP-Adresse, also die Kennung, mit der ein Computer im Internet unterwegs ist. Zudem wird jede Suchanfrage anonymisiert - und erst dann an andere Suchmaschinen weitergeleitet. Die Resultate daraus werden zusammengefasst und sortiert.

www.ixquick.de

Suchen lassen

Preisfrage: Wo wohnt der Weihnachtsmann? "Der Legende nach auf dem Nordpol", weiß John L. zu berichten. Und noch eine Frage: Würde man den Eiffelturm aus Marshmellows nachbauen wollen, wie viele Marshmellows bräuchte man? "Der Eiffelturm besteht aus 7000 Tonnen Stahl. Würde man tatsächlich so viel Marshmellows bestellen, würde das den kompletten Markt umwälzen", antwortet Pat S. Das ist das Prinzip von ChaCha. Jede Frage, die man in das Suchfeld eingibt, wird am anderen Ende der Leitung von einem echten Menschen beantwortet - mehr als 50.000 arbeiten für das Unternehmen. Der Nachteil: Der Service funktioniert nur auf Englisch. Trotzdem gehört die Seite bereits zu den am schnellsten wachsenden Webangeboten der Welt. Schon 600 Millionen Fragen wurden hier direkt und kostenlos beantwortet.

www.chacha.com