Einblicke

Hamburger sind geduldiger als die Berliner

Fouad Ben-Said, 29, aus Tripolis (Libyen)

Liebe Hamburgerinnen,

liebe Hamburger,

ein Auslandsstipendium meiner Heimatuniversität in Tripolis hat es mir möglich gemacht, in diese wunderschöne Stadt zu kommen. Ich wusste vorher nicht sehr viel über Hamburg, aber ich wollte unbedingt in den hohen Norden. Seit Anfang Februar lebe ich nun hier im Stadtteil Barmbek und besuche täglich einen Sprachkursus am Goethe-Institut. Mittlerweile spreche ich schon ziemlich gut, verstehe auch fast alles und kann die deutsche Sprache lesen und schreiben. Ich bin sehr froh über meine Fortschritte, weil sie für meinen weiteren Berufsweg wichtig sind: Ich habe in Libyen Medizin studiert, bin Kinderarzt und möchte nun in Deutschland in meinem Fachgebiet weiterarbeiten.

Das Leben in der Hansestadt hat viele Vorteile: Der Lebensstandard ist hier allgemein sehr hoch, und es gibt viele schöne Plätze in der Stadt. Für mich als wissbegierigen Menschen gibt es in Hamburg viel Neues zu entdecken. In Eppendorf gefällt es mir zum Beispiel sehr gut, leider ist die Gegend relativ teuer. Ich sitze auch gerne im Alex am Jungfernstieg und trinke einen Kaffee mit Blick auf die Alster. Das Beste an Hamburg ist aber, dass man hier mit der U-Bahn fahren und in kurzer Zeit überall hinkommen kann. So eine gut ausgebaute und fortschrittliche Infrastruktur gibt es in meiner Heimat nicht.

Was die Hamburger angeht, habe ich die Erfahrung gemacht, dass man sehr gut mit ihnen auskommt, sobald sie Vertrauen gefasst haben. So habe ich zum Beispiel erlebt, dass man anfangs nur den Moslem in mir gesehen hat und erst nach einiger Zeit auch den Arzt und Menschen. Aber das ist okay für mich. Ich kann das verstehen und deswegen auch damit umgehen.

Freunde habe ich unter den Studenten am Goethe-Institut gefunden, dort war es einfach für mich, jemanden kennenzulernen. Außerdem ist mir aufgefallen, dass die Hamburger allgemein eine freundlichere Art haben als die Berliner und geduldiger sind, wenn jemand die deutsche Sprache noch nicht so gut beherrscht.

Zum norddeutschen Wetter kann ich nur eines sagen: Wo sind denn die vier Jahreszeiten geblieben? Es hat den Anschein, als gäbe es in Deutschland nur Sommer und Winter, vier bis fünf Monate im Jahr liegt Schnee. Noch dazu ist es sehr windig. Mir gefällt es aber trotzdem hier - und wenn ich einen Job bekomme, möchte ich auch gerne bleiben.

Aufgezeichnet von Kristina Falschlehner