Offen gesagt

Dauercamper auf den Bühnen

Eine Glosse von Tino Lange

Falls Sie das gestrige Konzert von Xavier Naidoo auf der Trabrennbahn verpasst haben: Keine Angst, am 8. Oktober kommt der Mannheimer Wanderprediger mit vielen Freunden - darunter Jan Delay - in die Hamburger O2 World. Das wird Naidoos vierter Hamburger Auftritt in elf Monaten. Auch Stefan Gwildis lässt es sich nicht nehmen, nach seinem Stadtpark-Konzert am vergangenen Sonntag schon morgen die Barkasse "Hedi" zu entern. Unheilig und Delay haben dieses Jahr drei Hamburg-Termine auf der Uhr, Tocotronic vier, Lotto King Karl alleine im Stadtpark fünf.

Die Nachfrage bestimmt das Angebot. So schwer es ist, von einem ach so kühlen Hanseaten ins Herz geschlossen zu werden - hat er es getan, wird man ihn nicht mehr los. Und so kommen The BossHoss, Ina Müller, Runrig, Dieter Thomas Kuhn oder das Orquesta Buena Vista Social Club mindestens im Jahresrhythmus - im Fall der "Dezember-Mafia" (Jamaica Papa Curvin, Ian Cussick, Hannes Bauer) sogar seit Jahrzehnten.

Wer es nicht schafft, ins Herz geschlossen zu werden, kann Hamburg gleich vom Tourkalender streichen. Madonna, anderswo ein Selbstgänger, blies ihre Besuche 1990 und 2009 ab.

Da bleibt nur die Frage, wer den Rekord von Kettcar brechen wird: Zehn ausverkaufte Konzerte, darunter sieben hintereinander in sieben verschiedenen Klubs, gaben Marcus Wiebusch und seine Jungs im Jahr 2008. Unfassbar. Aber auch uneinholbar?