Debatte

Der Sport ist doch kein Wanderpokal

Hamburg diskutiert seit dem 18. Juli über den neuen Senat. Bleibt die Kulturbehörde autonom oder wird sie der Senatskanzlei oder der Wissenschaftsbehörde angegliedert? Vergessen wird dabei, dass sie nicht nur die Kultur, sondern auch die Medien und den Sport im Senat vertritt. Dem Sport wird diese Vernachlässigung nicht gerecht - immerhin sind über 530 000 Hamburgerinnen und Hamburger Mitglied in einem Sportverein.

Die Sportvereine und -verbände übernehmen eine Vielzahl gesellschaftspolitischer Aufgaben. Welch wichtige Bedeutung Bewegung für Menschen hat, wurde erst kürzlich wieder durch eine wissenschaftliche Arbeit der Sporthochschule Köln belegt.

Der Sport verdient eine klare, zuverlässige, starke politische Vertretung im Senat. Er darf nicht einem anderen Politikbereich angehängt werden, ohne dass dort Interesse an den Themen der Vereine und Verbände besteht.

Der Hamburger Sportbund (HSB) hält es für fragwürdig, dass der Sport in den vergangenen Jahren von der Innenbehörde zur Schulbehörde und zuletzt in die Kulturbehörde verschoben wurde. Der Sport ist kein Wanderpokal, sondern ein eigenständiges Politikfeld und sollte deshalb langfristig einen festen Platz im Senat bekommen.

Der HSB ist die Interessenvertretung des organisierten Sports in Hamburg und Partner der Politik. Eine solche Partnerschaft basiert auf Vertrauen, das langfristig aufgebaut und gepflegt werden muss. Regelmäßig wechselnde Zuständigkeiten aufseiten der Behörden und der politisch Verantwortlichen wirken kontraproduktiv.

Mit einer soliden Verankerung im Senat wäre eine neue Form der Zusammenarbeit möglich, die Synergien und erheblich steigende Effizienz zur Folge hätte. In den vergangenen Jahren wurde die Zahl der Personalstellen im Sportamt vervierfacht. Immer mehr Aufgaben werden dort bearbeitet, die der HSB bereits erledigt hat. Dies wird der HSB mit dem Senat diskutieren und verhandeln sowie die Ergebnisse dieser Verhandlungen kooperativ umsetzen. So könnte sich die Stadt auf ihre hoheitlichen Aufgaben beschränken und die sportfachlichen Aufgaben der Sportselbstverwaltung im HSB überlassen.

Entscheidend für den Erfolg des Breiten- und Spitzensports in Hamburg ist ein klares Bekenntnis des Senats. In den vergangenen beiden Jahren fehlte dieses Signal. Im ehemaligen Leitbild "Metropole Hamburg - Wachsende Stadt" gab es zur Orientierung der Politik sechs Leitprojekte - eines davon war die Sportstadt Hamburg. Im aktuellen Leitbild "Wachsen mit Weitsicht" werden einige Sportprojekte verschiedenen Politikfeldern zugeordnet. Ein eigenes für den Sport gibt es nicht mehr. Deutlicher kann eine politische Degradierung kaum ausgedrückt werden.

Durch den Wegfall des Leitprojekts "Sportstadt Hamburg" ist dem Senat leider der Kompass für die Sportpolitik abhandengekommen. Seit der Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele 2012 ist die Ernüchterung über das Nichterreichen der Meilensteine Olympia 2012, Universiade oder Schwimm-WM deutlich zu spüren. Bei allem Verständnis hierfür und unter Beachtung der finanziellen Rahmenbedingungen der Stadt bleibt doch die Frage nach der Orientierung.

Mit dem Koalitionsvertrag zwischen CDU und GAL wurde der vom HSB geforderte Sportentwicklungsplan endlich in den Katalog des Regierungshandelns aufgenommen. Verschiedene Experten, natürlich auch der HSB, entwickeln aktuell die zukünftige Ausrichtung der Sportpolitik. Entscheidend wird sein, dass der Senat die für die Umsetzung erforderlichen Ressourcen bereitstellt. Soll der Sportentwicklungsplan nicht in den Schubladen verschwinden, muss dies bereits Ausdruck im Doppelhaushalt 2011/2012 finden. Der geplante Termin für die Vorlage durch den Senat ist November 2010.

Gerade vor dem Hintergrund begrenzter finanzieller Mittel muss es allen Beteiligten gelingen, eine sinnvolle Balance zwischen dem regelmäßigen Sport der Hamburgerinnen und Hamburger und internationalen Spitzenevents zu finden. Neben Triathlon, Marathon oder den Cyclassics sollte sich Hamburg künftig auf die aktuell finanzierbaren Veranstaltungen konzentrieren. Zwischenschritte über Nachwuchsveranstaltungen machen nur Sinn, wenn in den Sportarten die Top-Veranstaltungen folgen können.

Nur mit langfristiger Perspektive werden Spitzenveranstaltungen dem Vereinssport mit über 530 000 Aktiven nutzen. Das muss der Kern der Überlegungen sein, denn Politik muss den Alltag der Menschen im Fokus haben.