Debatte

Duisburg ist ein Warnsignal auch für den Sport

Der Professor für Eventmanagement fordert nach der Loveparade-Katastrophe neue Schwerpunkte bei der Ausbildung von Vereinsorganisatoren

Nur schwer vermag der Zuschauer Abstand von den schrecklichen Ereignissen in Duisburg zu finden, wo die Loveparade 21 Menschen in den Tod riss und Hunderte Verletzte zurückließ. Schmerz, Trauer, Wut, Fassungslosigkeit lassen erst allmählich Fragen nach größeren Zusammenhängen und neuen Risiken bei Großveranstaltungen zu. Eine Diskussion, der sich auch der Sport als permanenter Organisator von Events stellen muss.

Das gilt weniger für zuschauerträchtige Wettbewerbe in den modernen Arenen - sie haben hohe Sicherheitsstandards, verlaufen in bewährten Routinen. Anders sieht es bei singulär stattfindenden Großereignissen aus: Stadtmarathons, Radrennen und Triathlon in der City mit Hunderttausenden Zuschauern, Fanfeste zur Fußball-WM bergen schwerer zu kalkulierende Risiken. Weisen sie ähnliche Gefährdungen auf wie die Loveparade auf einem Bahngelände oder ein Rockkonzert auf der Wiese? Zur Beantwortung muss tiefer geschürft werden. Weltweit werden Massenveranstaltungen mehr und größer: Papstbesuche, Musikkonzerte, Obama-Inthronisation, Schlager-Contest, Stadtgeburtstage, Maritime Wochen führen gelegentlich Millionen Menschen zusammen. Erleichtert wird das durch Videotechnik auf Großbildwänden und Kommunikationsmöglichkeiten per Handy oder Internet. Riesige Screens geben Zuschauern das ersehnte Gefühl, in Echtzeit dabei zu sein - Neugier und Gemeinschaftserlebnis bilden ihre Symbiose. Es bedarf nur weniger Handygriffe vor einer Veranstaltung, um Gleichgesinnte zu finden und sich zu verabreden. Anmeldungen Monate vorher wie bei Kirchentagen und Turnfesten verlieren ihre Notwendigkeit.

Die Folgen für Veranstalter sind fatal: Erst mit Beginn oder später erkennen sie die Besucherzahl. Zugleich drängen Städte und Metropolregionen, sich durch Massenveranstaltungen Aufmerksamkeit und Wertschöpfung zu holen. Sie treffen auf Menschen, die sich aus virtuellen Arbeitsprozessen und der Anonymität lösen möchten, für Stunden möglichst unreglementiert Menschen erleben wollen, das Gefühl der Gemeinschaft suchen.

So ist es wenig aussichtsreich, den weltweiten Trend zu spontan-offenen Massenveranstaltungen bremsen zu wollen. Informationstechnologie wie die menschliche Neugier würden politische und administrative Restriktionen unterlaufen. Erfolg versprechender wäre, in das Management solcher Veranstaltungen moderne Kommunikationsformen einzubringen: von Beteiligung in Chatrooms und Facebooks, SMS-Hotlines zu Staus bei Einlassstellen über elektronische Zählsysteme, Ausweichflächen bis zu Tipps auf Fahrplandisplays - um nur Beispiele zu nennen.

Die Planung muss noch sorgfältiger, die Ausbildung der Veranstaltungsmanager noch professioneller werden. Auch die Sportorganisationen sollten das zu einem Schwerpunkt in der Vereinsmanagerausbildung machen und regelmäßigen Austausch mit anderen Großveranstaltern suchen - Duisburg war kein unabwendbares Schicksal. Derartige Katastrophen zu verhindern ist eine Gemeinschaftsaufgabe.