Debatte

Wissenschaft sichert Hamburgs Zukunft

Die Senatorin für Wissenschaft und Forschung hält öffentliche Investitionen in die Bildung auch in wirtschaftlich und finanziell schwierigen Zeiten für unverzichtbar

Hamburg versteht sich gern als Tor zur Welt, aber ist die Hansestadt auch ein Tor zur Wissenschaft? Fakt ist, dass Hamburg national wie international immer mehr an Bedeutung gewinnt. Unsere Stadt zeichnet sich aus durch Liberalität, Toleranz, Vielfalt in Kunst und Kultur, und auch im Bereich von Wissenschaft und Forschung ist Hamburg breit aufgestellt. Universitäten, Fachhochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, forschende Unternehmen sowie weitere forschungsnahe Einrichtungen sind auf relativ engem Raum vereint und haben so alle Chancen, ihre Profile und Chancen optimal auszuschöpfen. Vernetzung und Kooperation sind in den letzten Jahren erfreulicherweise deutlich gewachsen. Allerdings hat sich dieser Aufbruch in der öffentlichen Wahrnehmung noch nicht niedergeschlagen.

Es ist inzwischen eine Binsenweisheit, dass Wissenschaft und Forschung unverzichtbar sind für Wohlstand und Wachstum einer Gesellschaft. Unsere Hamburger Hochschulen stellen mit ihren mehr als 11 000 Mitarbeitern, über 75 000 Studierenden und jährlich ca. 160 Millionen Drittmitteleinnahmen mit steigender Tendenz einen beachtlichen Wirtschaftsfaktor dar. Dass die wirtschaftlichen Effekte von Hochschulen den staatlichen Aufwand bei Weitem übersteigen, wissen wir spätestens seit der 2008er-Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Deswegen sind wir in den kommenden Jahren auf unsere Hochschulen, aber auch auf die übrigen Forschungseinrichtungen angewiesen, denn sie sind Impulsgeber für Investitionen und Arbeitsplätze sowie wie für das intellektuelle und kulturelle Leben in unserer Stadt. Unverzichtbar für das Gelingen dieses Prozesses sind die wechselseitige Offenheit und die Bereitschaft zum Dialog miteinander. Die Stadt muss sich stärker den Hochschulen gegenüber öffnen, aber auch die Hochschulen müssen sich bewegen. Dialog und Partnerschaft sind keine Einbahnstraße.

Aufgabe der Wissenschaftspolitik ist es, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass Hochschulen und Forschungseinrichtungen ihre Aufgabe für die Gesellschaft und in der Gesellschaft auch erfüllen können. Zu diesen Rahmenbedingungen gehören eine gute Ausstattung der Einrichtungen, die Leistungsfähigkeit des neuen Studiensystems sowie die Profilierung und Schwerpunktsetzung in der Forschung.

Hamburg hat schon früh und als erstes Bundesland die zweite Phase der Bachelor-Master-Reform auf den Weg gebracht; inzwischen sind auch die gesetzlichen Voraussetzungen für notwendige Änderungen geschaffen. Es ist jetzt Sache der Hochschulen, die Studiengänge zu überprüfen und dabei die Studierenden einzubeziehen. Nach erfolgreichem Abschluss ist das zweistufige Bachelor-Master-System nicht nur die richtige Antwort auf die veränderten Qualifikationsanforderungen unserer Gesellschaft, sondern es trägt auch dazu bei, den unverzichtbaren internationalen Austausch und die Kooperation zu verbessern und damit Hamburg auch als Studien- und Wissenschaftsstandort attraktiv zu machen.

Auch im Bereich der Hochschulstrukturen gilt es, diese effektiver auszugestalten und die Autonomie der Hochschulen auszuweiten. Insbesondere im Wettbewerb um die besten Köpfe ist es notwendig, den Hochschulen die vollständige Personalverantwortung zu übertragen. Bedauerlich ist, dass sich die Entscheidung über die bauliche Entwicklung der Universität so lange hingezogen hat; ich hätte sie mir früher gewünscht. Jetzt gilt es, keine Zeit mehr zu verlieren - gemeinsam mit der Universität stimmen wir derzeit die ersten Schritte ab. Der Senat hat sich nachdrücklich zur Sanierung der Hochschulgebäude bekannt und dies zum Schwerpunktthema für die zweite Hälfte der Legislaturperiode gemacht. Mehrere Hundert Millionen Euro werden in den nächsten Jahren in die bauliche Entwicklung der Hamburger Hochschulen fließen. Es ist meines Wissens das erste Mal, dass Wissenschaft und Hochschulen in Hamburg so explizit in den Fokus des öffentlichen Interesses und der Politik gerückt sind. Und das ist gut so.

Forschung und Lehre gehören nach wie vor untrennbar zusammen. Eine Lehre "am Puls der Zeit" fußt auf aktuellen Ergebnissen aus der Forschung und ist elementarer Bestandteil einer vielfältigen akademischen Welt. Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen sind der Transmissionsriemen in die Zukunft. Wir befinden uns mitten in der Wissensgesellschaft: Die Zahl wissensbasierter Arbeitsplätze wird weiter wachsen, insbesondere in Metropolregionen, und der Bedarf an Menschen mit hohem Qualifikationsniveau wird weiter steigen. Dieser Entwicklung müssen wir uns stellen.

Deshalb sind öffentliche Investitionen in Forschung und Bildung auch in wirtschaftlich und finanziell schwierigen Zeiten unverzichtbar. Sie bilden das Fundament, auf dem wir stehen.