Offen gesagt

Der Navigator bleibt an Bord

Eine Glosse von Tino Lange

"Helfen ich dir kann. Ja, hmm. dich zu deinem Zielort führen ich werde." Das ist aber lieb von Jedi-Meister Yoda, auch wenn uns der wackere "Star Wars"-Gnom nicht auf den Pfad der Bestimmung zum Todesstern oder anderen intergalaktischen Adressen geleitet, sondern zu Straßen wie der Max-Brauer-Allee in Altona oder Nöpps in Marienthal. Seit zwei Wochen sind Meister Yoda, Darth Vader, C3PO und Han Solo als Ansagestimmen für Navigationsgeräte der Firma TomTom erhältlich und sagen nicht schlicht "bitte wenden", sondern "Dreh wenn möglich um. Dein Unglaube ist enttäuschend."

Das macht natürlich aus einem klapprigen Fiat Panda, Sondermodell "Italia 90", noch keinen Millennium-Falken, kein hübsches Raumschiff mit Hyperraum-Geschwindigkeit. Aber so wird zumindest das aussterbende Konzept des Autokinos auf eine neue Form übertragen, auch wenn man mit "Star Wars" nichts anfangen kann. Andere Firmen bieten auch "Stirb langsam"-Haudrauf Bruce Willis ("Abbiegen, Blödmann") und weitere Stars an. Der Spaß ist das Ziel.

Da taucht natürlich die Frage auf, welche Hamburger Prominenten und Kulturschaffenden uns den Weg erklären könnten. Mit Karin von Welck in die "Wunderbar" in der Talstraße, mit Daniel Richter nach Berlin, mit Ole von Beust nach Sylt ("In 200 Metern rechts abbiegen, alles hat seine Zeit") oder mit Udo Lindenberg nach Pankow - warum nicht? Die starke Erschütterung der Macht, die in Politik und Kultur seit Wochen spürbar ist, könnte den betroffenen Persönlichkeiten neue Perspektiven und uns neue Wege anbieten.

Auch für die automatischen Durchsagen der Deutschen Bahn an der Bahnsteigkante ("Bitte zurücktreten") werden sicher noch prominente, glaubwürdige Stimmen gebraucht: "Der ICE 2010 'Elbphilharmonie' nach Hamburg verspätet sich um zwei Jahre. Wir danken für ihr Verständnis."