Polizei

Zahl der Einbrüche steigt in Hamburg um 30 Prozent

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Ferienzeit ist Einbruchzeit. Professionelle Banden sind in der Hansestadt am Werk. Die Hamburger Polizei hat eine neue Dienststelle gegründet.

Hamburg. Die Polizei ändert ihr Konzept im Kampf gegen organisierte Einbrecherbanden. Die 2008 gegründete Sonderkommission HWE (Haus- und Wohnungseinbruch) ist mit sofortiger Wirkung aufgelöst worden - zugunsten einer dauerhaften Dienststelle.

Gute Gründe gibt es genug für die Einrichtung einer solchen Einheit: Zum einen hatte die Soko bereits mannigfaltige Erkenntnisse über Herkunft, Strukturen und Mitglieder entsprechender Banden gewonnen, zum anderen steigen die Fallzahlen trotz aller neuen Erkenntnisse weiterhin deutlich an. Man weiß also um die Herkunft der Täter, kommt ihnen aber trotzdem nicht mit durchschlagender Wirkung bei. Und derzeit haben die straff strukturierten Einbrecherbanden einmal mehr Hochkonjunktur. Nach wie vor nutzen sie oft und gern die urlaubsbedingte Abwesenheit vieler Hamburger, um Beute zu machen. Ferienzeit ist und bleibt Einbruchzeit.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Zahl der Haus- und Wohnungseinbrüche im ersten Halbjahr 2010 um 30 Prozent - nachdem sie auch in den vorangegangenen zwei Jahren jeweils in alarmierendem Maße in die Höhe geschnellt war.

Einen Löwenanteil der Taten rechnen die Fahnder reisenden Profi-Einbrecherbanden zu, die meist im familiären Verbund von Stadt zu Stadt reisen und sich ihre Tatorte in der Nähe von Bus- und Bahnhaltestellen sowie Autobahnauffahrten suchen. Ins jeweilige Objekt gelangen sie meist in Sekundenschnelle mittels eines Schraubenziehers.

+++ SO KRIMINELL IST IHR STADTTEIL +++

Als Beute kommt für sie lediglich leicht Verstaubares wie Geld und Schmuck in Frage. Nicht selten werden Kinder vorgeschickt, um Fenster oder Türen zu öffnen und Wohnungen nach Beute zu durchsuchen - auch, weil sie so gut wie nie in Haft genommen werden. Allein im vergangenen Jahr verzeichnete die Hamburger Polizei 7006 Fälle von Einbruchdiebstählen, fast 20 Fälle pro Tag.

Mit der Einrichtung der neuen Zentraldirektion (ZD) 68 reagiert die Polizeiführung auch auf den Umstand, dass es sich beim Auftreten der Banden in Hamburg offensichtlich nicht um ein kurzzeitiges Phänomen handelt. Seit 2006 verderben reisende Einbrecher der Polizei regelmäßig die Fallzahl-Statistiken. Und den nicht wenigen Hausbewohnern die Lust auf Urlaub. Leiter der ZD 68 wird ein besonders in Einsatzfragen und bei Massendelikten als ausgewiesener Experte geltender Polizist: Wolfgang Weidemann leitete bis jetzt die Zentraldirektion 62, die sich mit der Bekämpfung des Drogenhandels auf offener Straße befasst. Zuvor war er Leiter der Mordkommission und Chef der Davidwache.

Mirko Streiber, Chefsprecher der Hamburger Polizei, rät Haus- und Wohnungsbesitzern dringend zur Prävention. Die Täter suchten sich fast immer Objekte aus, die nicht besonders gesichert seien. "Entgegen der landläufigen Meinung geschehen die meisten Einbrüche tagsüber und in der Woche. Meist verschaffen sich die Täter Zugang über Terrassentüren, Fenster oder - besonders in Mehrfamilienhäusern - durch die Wohnungstür."

Ein guter Schutz vor Einbrechern, so rät Streiber, sei eine gute Nachbarschaft: "Aufmerksame Nachbarn können derartige Taten oft verhindern. Wenn Täter bemerken, dass sie unter Beobachtung stehen, werden sie ihre Tat abbrechen. Wenn sie angesprochen werden, erfinden sie meist Ausreden und gehen dann ebenfalls, weil sie natürlich damit rechnen müssen, dass die Polizei eingeschaltet wird."

Weitere Informationen gibt es bei der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle unter der Telefonnummer 428 67 12 80 oder per E-Mail unter kriminalberatung@polizei.hamburg.de