Sewigs Tierwelt

Maja, der kleine Sorgen-Pinguin

Foto: Hamburger Abendblatt / Andreas Laible / Hamburger Abendblatt / Andreas Laible/Andreas Laible

Papakind: Pinguinmädchen Maja lässt sich von ihrem Vater durchfüttern...

Kaum hatte sie das Ei verlassen, da fingen die Sorgen für Maja an. Dabei waren die Voraussetzungen für das Pinguin-Mädchen doch so gut! Ihre Eltern waren im vergangenen Mai von der alten Eismeer-Anlage, die neu gebaut wird, zu den Roten Riesenkängurus umgezogen. Neu geschaffene Felsenhöhlen, ein Teich, in dem man Schwänen, Enten und Gänsen einmal zeigen kann, was so ein richtiger Unterwasserflieger ist, und noch dazu mit den großen Beuteltieren exotische, wenn auch ein wenig sprunghafte Nachbarn - was will man als Humboldt-Pinguin mehr? Prompt fingen Majas Eltern, Yellow und Erna, mit der Brut an. Am 7. Juni schlüpften Maja und ihr Bruder aus dem Ei.

Alles hätte so schön sein können. "Doch dann starben Majas Mutter und Bruder", sagt Reviertierpfleger Uwe Fischer, zu dessen Bereich die Pinguine bis vor Kurzem gehörten. Vater Yellow bemühte sich danach redlich, Maja alleine zu füttern. Und das gefiel dem Jungvogel so gut, dass er gar nicht daran dachte, bei den Fütterungen irgendwann von selbst Fisch zu fressen. Immer weiter bettelte Maja ihren Vater an, doch der fand nach einer gewissen Zeit, dass sie auf eigenen schwarzen Füßen stehen sollte. Füße, in denen Pinguine übrigens die Durchblutung regulieren und sie damit auf ein bis zwei Grad über dem Gefrierpunkt herunterkühlen können - so frieren sie nicht auf Eis fest.

Den Tierpflegern blieb nichts anderes übrig, als Maja und noch einen weiteren Jungvogel, der ebenfalls keinerlei Ambitionen zeigte, eigenständig zu fressen, von der Gruppe abzutrennen. Fischer: "Wir füttern sie seitdem hinter den Kulissen von Hand und hoffen, dass sie bald begreifen, wie man sich einen Fisch im Wasser schnappt." Denn erst dann können die Pinguine zurück zu ihren Artgenossen - und darauf freuen sich Sabine Kalsow (51) und ihre Tochter Maike (25) schon besonders. Mutter und Tochter sind die Paten von Maja.

"Meine Tochter verliebte sich in Pinguin Yellow, als der noch ein Küken war", sagt die Sekretärin aus Niendorf. Die beiden übernahmen die Patenschaft für das Tier, und dann auch für sein Weibchen Erna. Als das starb, übertrug Hagenbeck die Patenschaft auf Maja. "Ich versuche, jeden Tag vorbeizuschauen", sagt Sabine Kalsow. Gerade die Küken seien "kleine Komiker", denen sie gar nicht genug zusehen könne.

Vielleicht ist es der watscheliger Gang, der uns die Frackträger so sympathisch erscheinen lässt. Insgesamt 18 Pinguinarten gibt es. Der Name des Humboldt-Pinguins leitet sich von dessen Verbreitung an der Westküste Südamerikas ab, wo kleine Kolonien in den fischreichen Regionen des Humboldtstroms leben. Die bis zu 60 Zentimeter großen und bis zu fünf Kilogramm schweren Vögel haben eine schwarze Rückenseite und einen weißen Bauch, der viele unregelmäßige schwarze Sprenkel aufweist - dieses individuelle Muster bleibt über jede Mauser hinweg bestehen. Dazu kommt bei erwachsenes Tieren ein schwarzes Band über der Brust, welches Maja erst nach der nächsten Mauser erhalten wird.

Die überwiegend wegen Überfischung in ihren Lebensräumen bedrohten, flugunfähigen Vögel sind geschickte Kletterer, wie Fischer betont. "Da staunen viele Besucher, wenn unsere Pinguine auf den Felsen zu ihren Höhlen hochkraxeln." Generell sind die Tiere erkundungslustig, so ihr Pfleger: Einer hätte es schon bis ins Haus der Kängurus geschafft.

Maja arbeitet währenddessen darauf hin, erst einmal auf die Pinguin-Anlage zurückzudürfen. Wenn sie wie eine Große 400 Gramm Heringe, Makrelen und Sprotten täglich vertilgt, ohne dabei auf die Pfleger angewiesen zu sein oder nach Papa zu schielen, ist es so weit.

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