Debatte

Der Wissenschaftsstandort Hamburg geht alle an

Der Präsident der Bucerius Law School sieht neben der Politik auch Bürger, Wirtschaft und private Initiatoren in der Pflicht, das geistige Leben der Stadt zu bereichern

In der vergangenen Woche gab es Gedränge auf dem Campus der Bucerius Law School zwischen Messe und Planten un Blomen. An mehreren Tagen wurden aus über 600 Bewerbern rund 110 Abiturientinnen und Abiturienten für den neuen Studienjahrgang ausgewählt. Spannende Tage, Tage des Herzklopfens für Bewerber, verantwortungsvolle Tage für Persönlichkeiten aus dem juristischen, wirtschaftlichen und öffentlichen Leben, die an der Auswahl beteiligt sind. Das Aufnahmeverfahren hat Jubiläum. Vor zehn Jahren fand es zum ersten Mal statt. Das Ziel ist, besonders begabte und leistungsfähige Bewerber anzuziehen und auszuwählen. In Hamburg wollen sie studieren: an der Bucerius Law School!

Private Hochschulen passen nach Hamburg. Sie geben ihren Fächern und Intentionen nach ein vielfältiges Bild. Sie haben die Aufgabe und Chance, sich ständig neu zu erfinden und Beispiele für das Hochschulleben zu geben. Sie verstehen sich nicht als Gegner der staatlichen Hochschulen, sondern als deren fantasievolle Partner und Wettbewerber. Die Freie und Hansestadt, selbst ein kosmopolitischer Anziehungspunkt, braucht und liebt solche Initiativen.

Die Bucerius Law, die erste private Hochschule für Rechtswissenschaft in Deutschland, ist als Projekt der Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius ein Geschenk dieser Stiftung an die Hansestadt und ein Beitrag zum Wissenschaftsstandort Hamburg. 1997 initiiert und schon drei Jahre später eröffnet, will sie am Zukunftsbild der Hochschulen mitarbeiten und produktiven Forschern und Studierenden die Möglichkeit zu optimaler Entfaltung in einem exzellenten Umfeld geben. Die Bucerius Law School wird auch in der Öffentlichkeit als Beitrag Hamburgs zur Modernisierung, Praxisorientierung und Internationalisierung der juristischen Ausbildung wahrgenommen.

Internationalität passt zu Hamburg und Internationalität wird bei der Law School großgeschrieben. Alle Studierenden verbringen ein halbes Jahr weltweit bei Partneruniversitäten. Über 100 Studierende aus aller Welt werden im Gegenzug in einem speziellen Programm ausgebildet, aus dem sie anerkannte Leistungen nach Hause tragen (und schönste Erinnerungen an unsere Stadt!). Einmalig ist das mit der WHU - Otto Beisheim School of Management ausgerichtete "Master of Law and Business - Joachim Herz Program", das junge Wirtschaftswissenschaftler und Juristen zu einem internationalen und interdisziplinären Mastergrad führt.

Gute akademische Lehre muss mit verantwortungsvoller Forschung einhergehen. Auch hier setzt die Bucerius Law School Akzente. 21 Professoren (davon 15 Lehrstuhlinhaber) und etwa 65 wissenschaftliche Assistenten und Mitarbeiter führen rund 500 Studierende durch ein anspruchsvolles juristisches Studium, das sie ohne Repetitor erfolgreich zum Bachelor of Laws und zum Staatsexamen führt. Die Zahl der abgeschlossenen Promotionen wird demnächst dreistellig werden, und über 250 Doktoranden eifern den fertigen Doktores nach. Viele bleiben der Hochschule als Alumni aktiv verbunden.

Die Bucerius Law School wird von einer schlank organisierten Hochschulleitung geführt. Sie weist einen Grad an studentischer Mitwirkung und außerfachlichem Engagement auf, wie er an Universitäten selten sein dürfte. Ihre Forscher und ihre Studierenden sind der Stolz der Bucerius Law School, denn intellektueller Erfolg wird von Menschen gemacht und ist von ihrem Einsatz abhängig.

Die "Zeit"-Stiftung gewährleistet durch die Finanzierung und Sicherung diesem großen Projekt eine beständige Zukunft, hierin unterstützt durch Vertrauen und Zuwendungen der Förderer und durch die Finanzierungsbeiträge der Studierenden. Gut durchdachte und erfolgreiche Finanzierungsmodelle erlauben auch denen das Studium, die ihren Beitrag nicht aus eigener Tasche bezahlen können.

Hamburgs Hochschullandschaft ist reich, reich wie das kulturelle und geistige Leben der Stadt. Defizite sind gleichwohl unübersehbar. Wir alle - Bürger, Politik, Wirtschaft und private Initiatoren - sind aufgerufen, den Wissenschaftsstandort Hamburg zu stärken. Die Bucerius Law School trägt den Namen eines Hamburger Ehrenbürgers, Juristen, Presseverlegers und Stifters, der hierin ein Vorbild war. Sie wird im Herbst zehn Jahre alt sein. Die Hochschule sieht ihrer Zukunft mit demselben Optimismus und Innovationswillen entgegen, mit dem sie sich bei der Eröffnung im Jahr 2000 den Bürgern der Hansestadt und der wissenschaftlichen Welt präsentiert hat.