Drogenhilfe in Hamburg

Protest gegen Drogenhilfe-Einrichtung "Stay Alive"

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Gewerbetreibende und Anwohner in Altona wehren sich gegen die Ansiedlung der Beratungsstelle für Drogenabhängige "Stay Alive" in ihrem Viertel.

Hamburg. Protest gegen eine Drogenhilfe-Einrichtung: Anwohner und Gewerbetreibende im Hamburger Stadtteil Altona wehren sich gegen die Ansiedlung einer Kontakt- und Beratungsstelle für Drogenabhängige in ihrem Viertel. Sie befürchten Junkies, Dealer und Beschaffungskriminalität vor ihrer Haustür. Um den Umzug des „Stay Alive“ von St. Pauli nach Altona zu verhindern, haben die Anwohner ein Bürgerbegehren gestartet. Am Donnerstag entscheidet der Hauptausschuss der Bezirksversammlung Altona über den Umzug. Mit ihrer Unterschriftensammlung wollen die Anwohner das Projekt stoppen.

Der Träger des „Stay Alive“, der Hamburger Verein Jugendhilfe, will die Einrichtung in ein leerstehendes Gebäude in Altona verlegen, weil die derzeitigen Räume in der Davidstraße zu klein geworden sind. „Es gibt zu wenig Beratungszimmer, der Behandlungsraum liegt in einem dunklen Kellergeschoss und die Miete ist jetzt schon zu hoch“, sagt Horst Brinker, Vorstandsmitglied der Jugendhilfe. Etwa hundert Drogenabhängige, von denen der Großteil aus Altona kommt, suchen täglich die Einrichtung in St. Pauli auf. Hier erhalten sie Ausstiegshilfen, werden medizinisch versorgt und psychologisch beraten. Ursprünglich waren die Räumlichkeiten für 40 bis 50 Personen gedacht.

Doch in Altona regt sich Widerstand gegen den Umzug. Viele Anwohner fürchten eine offene Drogenszene, weil in den Konsumräumen des „Stay Alive“ unter ärztlicher Aufsicht auch Heroin gespritzt werden darf. „Mit den Konsumenten kommen auch die Dealer in unseren Stadtteil, um ihre illegalen Drogen hier zu verkaufen“, sagt Achim Pettera, einer der Initiatoren des Protestes. Die ruhige Gegend mit den vielen Hinterhöfen und Freiflächen begünstige die Entstehung einer nicht zu kontrollierenden Drogenszene. Pettera betreibt eine Druckerei gegenüber der geplanten Suchthilfe-Einrichtung. Er befürchtet einen Rückschritt für sein Viertel: „Wir sind jetzt schon ein gebeutelter Stadtteil, und dann wird uns noch sowas reingeknallt.“ Die Drogeneinrichtung passe nicht zu dem Vorhaben des Hamburger Senats, Altona familienfreundlicher zu gestalten, sagt Pettera.

Horst Brinker hält solche Ängste für unbegründet: „Am neuen Standort wird schon deshalb keine Drogenszene entstehen, weil um die Ecke das Altonaer Polizeirevier ist ­ da wird sich kein Dealer hintrauen.“ Ohnehin wolle man eng mit der Polizei zusammenarbeiten. „Wenn es Probleme zwischen unseren Patienten und den Anwohnern gibt, werden wir helfen“, sagt Brinker. Das habe schon auf dem Kiez jahrelang funktioniert: „Beschwerden über die Einrichtung hat es dort nie gegeben.“

Die Gegner des Projektes können solche Argumente nicht überzeugen. Sie wollen verhindern, dass der Bezirk Altona den Umzug genehmigt. Gewerbetreibende beklagen den Wertverlust ihrer Immobilien und mögliche Geschäftseinbußen. „Ich habe eine Stammkundschaft, die ich nicht durch Drogenabhängige vor meinem Laden verlieren möchte“, sagtdie Betreiberin einer naheliegenden Bäckerei. Jeden Donnerstag trifft sich die Frau mit ihren Mitstreitern in einer Schule, um den Protest zu organisieren. In zahlreichen Geschäften haben sie Unterschriftenlisten ausgelegt, in die sich die Bewohner eintragen können.

Unterstützung erhält die Suchthilfe-Einrichtung dagegen aus der Politik. „Ich halte den geplanten Standort für prinzipiell richtig“, sagt Thomas Adrian, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Altonaer Bezirksversammlung. Zwar habe er Verständnis für die Befürchtungen der Anwohner. Doch Adrian betont auch: „Wir haben eine soziale Verantwortung, kranken Menschen zu helfen, die ja keine Kriminellen sind.“ Auch aus der CDU-Fraktion gibt es positive Signale für das Projekt.

Der Sozialausschuss Altona hat bereits am Dienstag grünes Licht für das „Stay Alive“ gegeben. Rund 1900 Unterschriften benötigt die Bürgerinitiative, um das Projekt vorerst zu stoppen. Wenn das gelingt, müssen dann 5600 Stimmen für einen Bürgerentscheid zusammenkommen. Doch ob dieses Vorhaben gelingt, ist ungewiss, da sind sich Pettera und Brinker einig: „Wie die Sache ausgeht, ist noch völlig offen.“