Bericht von Bund und Ländern

Rabe lobt Bildungsreformen - trotz vieler Verlierer

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abendblatt.de

Fast jeder zweite junge Mensch erwirbt heute einen Hochschulabschluss. Hamburgs Schulsenator sieht die Republik auf dem richtigen Reformweg.

Berlin. Das Bildungsniveau in Deutschland steigt. Es gibt mehr Abiturienten und Studenten. Mehr junge Menschen erreichen den mittleren Bildungsabschluss. Jung-Akademiker haben auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen und auch die Lage auf dem Lehrstellenmarkt entspannt sich langsam. Dieses Fazit zieht der am Freitag in Berlin vorgestellte neue Bildungsbericht von Bund und Ländern. Gleichwohl gibt es unter den Jugendlichen immer noch einen harten Kern von bis zu 20 Prozent Bildungsverlierern: Sie können nicht richtig lesen oder Texte verstehen, brechen die Schule oder die Lehre ab und nehmen auch nicht an Weiterbildung teil.

Das deutsche Bildungssystem ist nach den Worten des Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Ties Rabe (SPD) auf dem richtigen Reformweg. „Die Zahl der Abiturienten nimmt zu, die Zahl der Schulabbrecher geht weiter zurück“, sagte Hamburgs Schulsenator am Freitag in Berlin.

Fast alle drei- bis fünfjährigen Kinder besuchten inzwischen eine Kindertagesstätte, hob Rabe hervor. Fast jede zweite Schule mache Ganztagsangebote. Für den Bund sagte Bildungs-Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen, die Verbesserungen der vergangenen Jahre zeigten Wirkung. Gleichwohl dürften insbesondere die Bemühungen für diejenigen Schüler nicht nachlassen, die es besonders schwer haben.

Während auf der einen Seite heute fast jeder zweite junge Mensch die Hochschulreife erwirbt, haben andererseits von den 20- bis 30-Jährigen in Deutschland 1,5 Millionen keinen Schul- oder Berufsabschluss. In der Altersgruppe der 30- bis 35-Jährigen ist laut Bericht der Anteil der Ungelernten und Schulabbrecher erheblich größer als in der Altersgruppe der 60- bis 65-Jährigen, die jetzt langsam aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt entspannt sich langsam.

Der alle zwei Jahre erscheinende Bildungsbericht wurde von einer Wissenschaftlergruppe unter Leitung des Frankfurter Bildungsforschers Horst Weishaupt erstellt. Weishaupt sprach bei der Präsentation des Berichtes vor der Kultusministerkonferenz der Länder in Berlin von vielen positiven Entwicklungen, aber auch großen Aufgaben.

Kita-Ausbau geht zu langsam

Bund, Länder und Kommunen müssen ihre Bemühungen deutlich erhöhten, um ab August 2013 den Rechtsanspruch auf eine Betreuung für Kinder unter drei Jahren sicherzustellen. Zu diesem Fazit kommt der am Freitag in Berlin vorgestellte Bericht „Bildung in Deutschland 2012“. Die Beteiligten müssten ihre Anstrengungen im Vergleich zu den Vorjahren „massiv steigern“, mahnen die Bildungsexperten. Das gelte insbesondere für den Westen Deutschlands.

Mit insgesamt 750.000 Plätzen soll es 2013 für ein Drittel der Kinder einen Krippenplatz geben. Laut Bildungsbericht lag die Bildungs- und Betreuungsquote im vergangenen Jahr bei 25 Prozent, nachdem sie 2006 nur 14 Prozent betragen hatte. Der Besuch einer Kindertagseinrichtung oder Kindertagespflege für Drei- bis Fünfjährige ist hingegen mit 94 Prozent deutschlandweit zur Regel geworden. (dpa/dpad/abendblatt.de)

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