Elbphilharmonie

"Wir sehnen uns nach der Fertigstellung"

Vor fünf Jahren war Grundsteinlegung für Hamburgs XXL-Bauwerk. Ein denkwürdiges Datum – auch für die Politiker im Untersuchungsausschuss.

Hamburg. Zum 32. Mal tritt heute der Parlamentarische Untersuchungsausschuss Elbphilharmonie zusammen. Der Vorsitzende Ole Thorben Buschhüter (SPD) wird dabei an einen besonderen Termin erinnern: Tags zuvor jährte sich die Grundsteinlegung des atemberaubend gewagten und atemberaubend teuren Bauwerks zum fünften Mal. Buschhüter zu abendblatt.de: "Vor fünf Jahren herrschte große Euphorie, heute dominieren die schlechten Nachrichten von Kostensteigerungen, Bauverzögerungen und Streitereien zwischen den Beteiligten die Nachrichten. Wir sehnen uns nach dem Tag, an dem das Bauwerk endlich fertig und tatsächlich ein positives Wahrzeichen Hamburgs wird. Eigentlich sollte ja sogar die Eröffnung schon längst erfolgt sein, nun reden wir von 2014, manche gar von 2015."

Die Unvollendete – dieser Titel war bisher Symphonien vorbehalten. Doch mancher Hamburger, manche Hamburgerin kann sich kaum noch vorstellen, dass er eines Tages da sein wird: der Zeitpunkt der Fertigstellung der Elbphilharmonie. Dass nicht in Kategorien üblichen Hausbaus gedacht werden kann – Grundsteinlegung, nach zwölf Wochen Richtfest, nach einem halben Jahr Einzug – war klar. Aber inzwischen ist soviel Wasser die Elbe hinuntergeflossen, ist die Zahl der Medienberichte über Kostensteigerungen, Verzögerungen, Ärger und Schuldzuweisungen so groß, dass ein offizieller Eröffnungstermin geradezu etwas Erschreckendes hätte. "Wie? Sie ist fertig? Das gibt's doch gar nicht!" So oder ähnlich werden die Reaktionen dann wohl lauten. In zwei bis drei Jahren. Oder vielleicht vier Jahren. Wer weiß das schon so genau...

Hier ein paar Meilensteine der Elbphi-Story:

Oktober 2001 bis Ende 2002 : Nachdem der Investor und Architekt Alexander Gèrard der Stadt seine Idee für eine Konzerthalle auf dem Kaispeicher A vorgestellt hat, plant der Senat eine Investition von 50 Millionen Euro für ein neues Kulturzentrum in der HafenCity ein. Das Vorhaben regt eine öffentliche Diskussion an, viele sind begeistert von der kulturellen Aufwertung der Stadt.

Juni 2003 bis Februar 2005 : Das Architektenduo "Herzog & de Meuron" stellt im Auftrag von Gérard den ersten Entwurf für das Mammutprojekt im Sandtorhafen vor. Die Stadt Hamburg erhält die Rechte aus dem Architektenvertrag von den Investoren um Gérard und schreibt einen europaweiten Wettbewerb für Investoren aus. Diese sollen die Mantelbebauung, bestehend aus Hotels, Park- und Wohnanlagen, finanzieren.

Juli/August 2005: Eine erste Gesamtkosteneinschätzung wird veröffentlicht. Laut Machbarkeitsstudie sollen sich die Kosten auf 186 Mio. Euro belaufen, davon 77 Millionen Euro aus Steuergeld. Der Rückhalt in der Bevölkerung ist weiterhin ungebrochen. Insgesamt gehen 40 Millionen Euro auf das Spendenkonto für den Bau der Elbphilharmonie ein.

29. November bis 27. Februar 2007: Die Euphorie für das Prestigeobjekt der Hansestadt bekommt erste Dämpfer. Bürgermeister Ole von Beust kündigt an, dass die Elbphilharmonie teurer wird, als geplant. Es werden Gesamtkosten von 214,3 Millionen Euro erwartet, der Anteil der Stadt steigt damit auf 114,3 Millionen Euro. Trotzdem stimmt die Hamburgische Bürgerschaft einstimmig für den Bau. Im Bieterverfahren steht „Hochtief“ mit der „CommerzLeasing“ als Gewinner fest.

2. April 2007 : Bürgermeister Ole von Beust begeht feierlich die Grundsteinlegung der neuen Philharmonie auf dem Kaiserspeicher A. Die Eröffnung ist für Herbst 2010 geplant.

10. Juni 2008 bis 26. November 2008: Die erste Verzögerung des Eröffnungstermins wird bekannt. Kultursenatorin Karin von Welck setzt den neuen Termin auf Herbst 2011 an. Aufgrund zahlreicher Meldungen in den Medien über weitere Kostensteigerungen muss der Chef der städtischen Realisierungsgesellschaft "ReGe" auf Drängen von Bürgermeister Ole von Beust sein Amt niederlegen. Im November werden schließlich genaue Zahlen öffentlich: der Steuerzahler muss sich nun mit 323 Millionen Euro an dem Riesenprojekt beteiligen, der Eröffnungstermin wird auf Frühjahr 2012 verschoben.

11. September 2009: Schon wieder jagt eine Kostenerhöhung durch die Medien. Zehn Millionen Euro zusätzlich sollen nun investiert werden.

16. Dezember 2009 : Trotz steigender Kosten freut sich die Stadt über die ersten der 1.100 Glasscheiben an der Fassade der Elbphilharmonie.

Januar 2010: Erneut muss der Senat Nachforderungen der Baufirma und des Architekturbüros prüfen. Weitere 35 Millionen Euro sollen fließen, die Eröffnung auf 2013 verschoben werden. Der Unmut in der Bevölkerung über die möglichen zusätzlichen Steuerausgaben wächst.

12. Mai 2010: Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss unter SPD-Finanzexperte Peter Tschentscher nimmt seine Arbeit auf. Es müssten die schweren Fehler, die der Senat gemacht hat, aufgearbeitet werden, so der Vorsitzende.

28./29. Mai 2010 : Das Richtfest der Elbphilharmonie wird gefeiert.

Juli 2011 : Neuer Termin für die Fertigstellung des Konzerthauses ist der 15. April 2014. Der Senat kritisiert die neue Prognose von Hochtief.

Ende 2011: Nun wird der November 2014 für die Eröffnung angepeilt. Inzwischen rechnet die Stadt mit einer weiteren Baukostenerhöhung von bis zu 100 Millionen Euro - will aber auch 40 Millionen Euro Vertragsstrafe von Hochtief. Zwischenzeitlich hatte der Streit um die Statik des Daches für eine teilweise Einstellung der Arbeiten gesorgt.

3. April 2012: PUA-Vorsitzender Buschhüter: "Unseren Auftrag, die Ursachen der Kostenentwicklung aufzuklären, die zutreffende Information von Bürgerschaft und Öffentlichkeit zu überprüfen und wer für beides verantwortlich war, werden wir fortsetzen und so wie es aussieht im nächsten Jahr zum Abschluss bringen. Bis zur Eröffnung der Elbphilharmonie ist es dann noch etwas hin."