Debatte

Der Mensch ist schuld, nicht die Sonne

Buchautor Fritz Vahrenholt sieht natürliche Ursachen für den Klimawandel. Professor Mojib Latif widerspricht dieser Auffassung

Es ist wieder so weit. Man streitet in der Öffentlichkeit heftig über den Einfluss des Menschen auf das Klima. Der Anlass: das gerade erschienene Buch "Die kalte Sonne" von Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning. Danach würde der Anteil des Menschen deutlich überschätzt, der Anteil der natürlichen Klimaschwankungen - insbesondere der der Sonne - erheblich unterschätzt. Diese Diskussion wiederholt sich seit vielen Jahren in unregelmäßigen Abständen. Man fragt sich unweigerlich, wieso zwei "Klima-Laien" eine so große Medienresonanz erzielen können. Insbesondere, weil ihre Argumentation nicht stichhaltig ist, ja, an den Haaren herbeigezogen.

Vahrenholt und Lüning führen an, dass es seit 1998 keinen neuen Rekord der Erdtemperatur gegeben hat. Das stimmt, besagt aber wenig. Jeder, der sich wissenschaftlich mit dem Klima beschäftigt, weiß, dass es eine stetige Klimaentwicklung gar nicht geben kann.

Der Klimaverlauf entspringt dem Miteinander von natürlicher Klimavariabilität und menschengemachter (anthropogener) Klimaänderung. Die Fieberkurve der Erde zeigt aus diesem Grund nicht einfach nur nach oben. Es gibt immer Aufs und Abs. Das erfordert zwingend die Betrachtung langer Zeiträume, um den sich langsam entwickelnden Einfluss des Menschen zu erkennen.

Wenn man so verfährt, kann man den offensichtlichen Zusammenhang des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) mit der Temperatur des Planeten nicht übersehen. Die Erwärmung der Erde über viele Jahrzehnte folgt dem Anstieg des CO2. So war seit 1950 jedes Jahrzehnt wärmer als das vorangehende. Das Jahrzehnt 2000 bis 2009 war sogar das wärmste seit 1850, dem Beginn der flächendeckenden instrumentellen Messungen.

Die beiden Autoren erachten die Sonne als einen der wesentlichen Klimatreiber. Die Sonne war sicherlich während des letzten Jahrtausends ein wichtiger Faktor. Seit dem Beginn der Industrialisierung ist jedoch ein neuer Treiber hinzugekommen: der Mensch durch den enormen Ausstoß von Treibhausgasen, vor allem des Kohlendioxids. Dieser Einfluss ist inzwischen so stark, dass er die natürlichen Treiber übersteigt. Und das kann man ganz einfach zeigen.

Jeder Einflussfaktor auf das Klima hat seinen ganz eigenen Fingerabdruck. Dadurch wird er unverwechselbar. So wie wir Menschen. Das Kohlendioxid erwärmt die Erdoberfläche. Die Sonne zwar auch. Ein Mehr an CO2 muss allerdings aus theoretischen Erwägungen zu einer starken Abkühlung in Höhen von 30 Kilometer und darüber führen. Und genau das messen wir während der letzten Jahrzehnte. Die Sonne und mit ihre oft ins Feld geführte Sekundäreffekte würden diesen Effekt nicht hervorrufen. Betrachtet man also alle Messungen sorgfältig, scheidet die Sonne als Hauptverantwortlicher für die Erwärmung der Erdoberfläche und der unteren Luftschichten während der letzten Jahrzehnte aus.

Das Hamburger Max-Planck-Institut hat jüngst seine neuen Klimasimulationen für den nächsten Bericht des Weltklimarats (IPCC) vorgestellt. Danach wird es bei weiter rasch steigenden Treibhausgasemissionen zu einer für die Menschheit einmaligen Erwärmung kommen. Ein Ergebnis, das sich seit dem ersten Bericht des IPCC aus dem Jahr 1990 nicht geändert hat.

Trotzdem fallen die falschen Argumente immer wieder auf fruchtbaren Boden. Und das hauptsächlich aus zwei Gründen: Erstens, die Zusammenhänge rund um das Klima sind schwierig. Sie haben mit komplizierten Vorgängen zu tun, die man nur mit den Methoden der theoretischen Physik erklären kann. Das eröffnet die Möglichkeit zur Verwirrung. Zweitens, wir Menschen haben ein recht kurzes Gedächtnis. Ein paar kalte Wochen, ein Alster(eis)vergnügen oder einige wenige kalte Winter lassen uns schnell glauben, dass es die Klimaerwärmung gar nicht gibt.

Und dann wird des Öfteren noch der Vorwurf in den Raum gestellt, dass die Klimawissenschaftler sich verschworen haben. Warum eigentlich? Oder sie seien einfach nur dumm, sehen die "wahren" Zusammenhänge nicht.

Man sollte wissen, wer diese Vorwürfe erhebt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.