Prozess

Entführer von Barmbek muss ab Februar vor Gericht

Foto: Michael Arning

Nach der Entführung und versuchten Geiselnahme einer 26-Jährigen muss sich ein 30-jähriger Mann vom 20. Februar an vor Gericht verantworten.

Hamburg. Für die Entführung und versuchte Geiselnahme einer 26 Jahre alten Frau muss sich ein 30-jähriger Mann vom 20. Februar an vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Das teilte die Gerichtspressestelle am Donnerstag mit. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann unter anderem Freiheitsberaubung, Nötigung, versuchte Geiselnahme sowie Verstoß gegen das Sprengstoff- und Kriegswaffengesetz vor. Laut Anklage soll er im August 2011 die 26-Jährige in ihrer Wohnung mit Pistole bedroht und mit Handschellen an sich gefesselt haben. Dann fuhr er mit ihr in seine „festungsähnlich präparierte Wohnung“, wie es in der Anklage heißt.

+++Entführer von Barmbek schweigt sich aus+++

+++Sprengstoff-Entwarnung im Stacheldraht-Haus+++

Nach Angaben der Polizei waren die Fenster der Wohnung im Hamburger Stadtteil Barmbek mit Stacheldraht umspannt, Ermittler entdeckten später in einem Zimmer eine schallisolierte gelbe Telefonzelle. Ein anderer Raum war vollgestopft mit Lebensmitteln, außerdem befanden sich darin rund 30 große Holzbalken. Im Keller fanden die Ermittler 113 Feuerlöscher mit Sprengstoffspuren.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft wollte sich der Angeklagte auf unbestimmte Zeit mit der Frau in der Wohnung verbarrikadieren und sie zu einer Art Beziehung mit ihm zu zwingen. In der Wohnung fand die Polizei gynäkologische Instrumente sowie Medikamente zur Steigerung der Fruchtbarkeit bei Mann und Frau.

Die 26-Jährige konnte Stunden nach der gewaltsamen Entführung durch ein Fenster und den davor angebrachten Stacheldraht ins Freie springen und fliehen. Der Angeklagte soll seinem Opfer noch hinterhergerannt sein, erwischte es aber nicht mehr. Nachbarn beobachteten die Flucht der Frau und alarmierten die Polizei, die den 30-Jährigen festnahm. Für den Prozess sind zunächst fünf Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird im April erwartet. (abendblatt.de/dpa)