Nachspiel

Das Eigenleben des WM-Balls

Eine Glosse vonChristian-A. Thiel

Schuld ist, natürlich, ein Engländer. Der Sportwissenschaftler Andy Harland hat wie einst Frankenstein ein Wesen mit Eigenleben entworfen - Jabulani, den Ball dieser Weltmeisterschaft. Mal flattert die 440 Gramm schwere Kunststoffkugel aus acht thermisch verschweißten Platten wie eine Fledermaus, mal ist sie glitschig wie eine Qualle, mal fliegt sie davon wie ein Zugvogel. Man könnte sogar denken, die alte Geschichte mit dem Frosch, der den Ball zum Hüpfen bringt, stimmt wirklich.

Seit vier Jahrzehnten darf Adidas das Spielgerät der WM-Turniere liefern. Umstritten war noch jede Kugel. Selten aber war der Ruf eines WM-Balls so schlecht wie diesmal auf den südafrikanischen Plätzen.

Es sind nicht nur schlechte Verlierer, die über Jabulanis Eigenschaften mäkeln. Selbst Argentiniens Wunder-Fußballer Lionel Messi, für den jeder Ball ein Freund ist, schimpft: "Der Ball ist sehr kompliziert für die Torhüter und auch für uns." Freistöße segeln auffallend oft Richtung Stadiondach. Dass die Patzer des englischen Keepers Robert Green und seines algerischen Kollegen Fawzi Chaouchi auf den Ball geschoben werden, ist verständlich. Italiens Schlussmann Gianluigi Buffon nannte Jabulani "eine Schande". Und wenn ausgerechnet Mario Gomez diesen Ball lobt, sollte das zu denken geben.

Uwe Seeler sagte einmal: "Das Geheimnis des Fußballs ist der Ball." Also sollten wir ihn flach halten.