Fünf Fragen, fünf Antworten: Nils Wülker

Die Vuvuzela-WM ist akustisch gruselig

Nils Wülker, 32, Jazz-Trompeter und Komponist aus Hamburg.

1. Hamburger Abendblatt:

Wie haben Sie die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika bisher akustisch wahrgenommen - Stichwort: Vuvuzela?

Nils Wülker:

Akustisch ist die WM ein wirklich gruseliges Erlebnis. Afrika hat einen reichen Schatz an Rhythmen, Gesängen und Tänzen, die auch die Fußball-Kultur bereichert haben. In Südafrikas Stadien hört man aber nur ein Dauerdröhnen ohne Dynamik, völlig unabhängig von Spielsituation und Spielverlauf. Wirkliche Stimmung kommt da nicht auf.

2. Hand aufs Herz: Haben Sie auch schon mal ausprobiert, statt einer edlen Jazz-Trompete einer Vuvuzela Töne zu entlocken?

Vorhin habe ich mir aus Neugier eine Vuvuzela an der Tankstelle gekauft und war überrascht, dass die Biester denselben Grundton - b - haben wie herkömmliche Trompeten. Mit etwas Übung bekommt man sogar mehr als einen Dauerton heraus, aber die Klangqualität ist sehr bescheiden. Gute Trompeter können auf ihren Instrumenten übrigens noch lautere Töne erzeugen als auf den Plastik-Vuvuzelas.

3. Angeblich klagen bereits viele Vuvuzela-Bläser nach 90 Minuten Getute über Blasen an den Lippen, spröde Haut und Halsschmerzen. Haben Sie Tipps, wie man Vuvu-Blessuren vermeidet?

Ob es eine gute Idee ist, "viel Übung" als Ratschlag zu geben? Na gut. Der Druck sollte nicht mit den Stimmbändern erzeugt werden, sondern mit dem Zwerchfell, sprich aus dem Bauch heraus. So können Halsschmerzen durch entzündete Stimmbänder vermieden werden. Gegen Blasen sollte Lippenbalsam zur Hand sein.

4. Im Internet kursiert neben den diversen Verbots-Petitionen eine Version des Fettes-Brot-Songs "Emanuela" mit neuem Text: "Lasst die Finger von der Vuvuzela". Würden Sie - rein hypothetisch - bei einer Neuaufnahme mitspielen?

Solch einem Ansinnen würde ich mich sicher nicht verschließen. Aber ich hoffe, dass die Fans in Südafrika unabhängig von eventuellen Verboten bald selber genug von den Vuvuzelas haben und einfach singen, tanzen und trommeln. Davon lebt doch der Fußball und nicht von einem vor zehn Jahren entwickelten Marketing-Gag.

5. Sie besuchen mehrfach im Jahr Heimspiele des HSV. Nehmen Sie Ihre Trompete mit in das Stadion?

Nein, die Trompete bleibt natürlich immer zu Hause, genau wie die Vuvuzela. Die habe ich schon längst wieder auseinandergebaut.