Kommentar

Wie die Linke sich entlarvt

Die Linke hatte viel Zeit zu überlegen, ob sie über das Bein, das SPD und Grüne ihr gestellt haben, lieber springen oder fallen will. Sie hat sich fürs Fallen entschieden. Nun strauchelt sie als unversöhnliche, DDR-verklärende Retropartei und überlässt den Höhenflug den anderen, taktisch gewiefteren Oppositionsparteien.

Dabei hätte die Linke mit einer Unterstützung der Kandidatur Joachim Gaucks für das Amt des Bundespräsidenten gleich doppelt punkten können: Zusammen mit SPD und Grünen wäre sie Schwarz-Gelb und Christian Wulff ernsthaft gefährlich geworden. Obendrein hätte sie beweisen können, dass sie selbst einen Stasi-Jäger und Kritiker der eigenen Partei tragen kann - allein um ihn als Integrationsfigur des vereinten Deutschlands anzuerkennen. Stattdessen zweifelt die Linke an Gaucks sozialpolitischem Profil, nennt ihn einen Mann der Vergangenheit und fordert, er solle sein Verhältnis zur Linken klären.

Die uninspirierte Nominierung der Linken-Bundestagsabgeordneten Luc Jochimsen fürs höchste Amt im Staat mag dann konsequent erscheinen, aber sie verhilft der Linken weder zu mehr Glaubwürdigkeit noch zu mehr Unabhängigkeit. Im Gegenteil. Die Partei wirkt wie gefangen in eigener Vergangenheit. Mit der schroffen Ablehnung Gaucks kommt sie als alte SED daher und nicht als das, was sie vorgibt zu sein: eine entwickelte, ernsthafte, gesamtdeutsche Partei. Ach Linke, wärst du doch gesprungen.