HSH investiert in "Spargel"

Die Nordbank setzt auf erneuerbare Energien wie Windräder. Kreditvergabe soll verdoppelt werden

Wer auf frischen Spargel steht, muss derzeit tief in die Tasche greifen - eine Folge des langen Winters. Die Gründe für die HSH Nordbank, in die ebenfalls "Spargel" genannten riesigen weißen Windräder zu investieren, sind jedoch weniger saisonaler Natur. Die frühere Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein sieht in der Erneuerbare-Energien-Branche, zu der bei ihr außer Windkraft auch die Solarenergie gehört, vielmehr eines der Wachstumsfelder der Zukunft. Daher soll die Summe der vergebenen Kredite auf diesem Sektor bis 2015 von derzeit drei auf sechs Milliarden Euro verdoppelt werden. Das kündigte Jürgen H. Lange, Leiter der Abteilung Erneuerbare Energien der HSH, gestern in Hamburg an.

Allein in Deutschland seien 26 Offshore-Windparks mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 26 Milliarden Euro genehmigt und in Planung, sagte Lange. Europaweit sollten in den kommenden Jahren sogar 400 Milliarden investiert werden. Die HSH, die zu den weltweit führenden Banken im Bereich erneuerbare Energien zählt, will daher außer in Deutschland auch in Frankreich, Großbritannien und Italien Projekte finanzieren. Nachdem die HSH ihre riskante Expansionspolitik 2008 mit Milliardenverlusten bezahlen und von den beiden Bundesländern als Hauptanteilseignern gerettet werden musste, betonte Lange die Sicherheit des Investments. Da die EU sogar vorschreibe, dass der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 auf 20 Prozent zu steigern ist und der Staat die Abnahme des Ökostroms weitgehend garantiere, sei das Risiko sehr gering. Allenfalls die Bauphase, vor allem auf See ("offshore") sei kompliziert.

Hinzu komme das postive Image der Branche, so Lange, der daher nach eigener Ansicht "den schönsten Job in der Bank" hat. Dennoch beteiligt sich die HSH auch an der "Entspargelung" der Landschaft, wie der Abteilungsleiter sagte. So würden in Norddeutschland viele kleine, ältere Windräder durch weniger, aber deutlich leistungsstärkere ersetzt, zum Beispiel solche wie in Hamburg-Altenwerder. Dort stehen die beiden mit jeweils sechs Megawatt leistungsstärksten Windräder der Welt - finanziert von der HSH Nordbank. Bis zu 10 000 Haushalte können sie mit Strom versorgen. Aufgrund ihrer Nabenhöhe von mehr als 100 Metern seien sie auch für weniger windige Gegenden geeignet, zum Beispiel in Süddeutschland. Das eröffne weitere Märkte - in denen die HSH dabei sein will.

Positiv wirkt sich das auch auf die Beschäftigten aus. So sei der Bereich erneuerbare Energien vom Jobabbau im Zuge der Neuausrichtung der HSH ausgenommen. Im Gegenteil, so Lange: "Wir stellen weiter ein, Bankkaufleute, aber auch Ingenieure."