Tauschbörse Match Attax

Fußball-Karten geben Kindern den Kick

Foto: Marcelo Hernandez

Ein Junge strahlt, weil er einen HSV-Stürmer ergattert hat, ein anderer hofft, dass es bald auch Spieler vom St. Pauli gibt.

Hamburg. Was sind Katastrophen im Schüleralltag? Schon vor Ostern abgelaufene Frühjahrsferien oder miserable Zensuren? Bewahre! Wirklich an die Kindernerven gehen ganz andere Reinfälle. Wenn man das Sparschwein knackt, sich zudem von allen möglichen Sponsoren Geld schnorrt, aufgeregt ins Zeitungsgeschäft eilt, dort kleine Tütchen à 1,25 Euro aus dem Pappkarton fischt, diese noch vor der Ladentür aufreißt - und entdeckt, dass statt der begehrten Wunschkarten zumeist Dubletten drin stecken. Das macht einen wahnsinnig ...

Frustabbau ist angesagt. Auch um die Chance zu steigern, die doppelten Fußballbilder loszuwerden und das Sammelalbum daheim mit fehlenden Motiven anreichern zu können, empfiehlt sich der Besuch einer Tauschbörse - möglichst mit elterlicher Verstärkung (plus Portemonnaie) an der Hand. So wie am Sonnabend in der LaOla Soccerwelt in Neugraben. Mehr als 250 Mädchen und Jungs, viele von ihnen im Trikot ihres Lieblingsvereins, verwandeln die Halle in einen Basar. Im kindlichen Visier: 401 bunte Bildchen namens Match Attax, bedruckt mit den Konterfeis der Bundesligahelden. Von Bayern bis Hamburg. Einen Robben gegen einen Podolski? Einen Pizarro gegen zwei Kurányi? Oder das HSV-Vereinslogo gegen fünf Hertha-Karten? Wer nicht feilscht, der nicht gewinnt. Mancher Grundschüler beweist Raffinesse und steckt ältere Handelspartner mit links in die Tasche. Das schult fürs Leben.

Auch Pascal Minnieur (8) aus der zweiten Klasse der Altkloster-Schule in Buxtehude weiß genau, was er will. Liebevoll hat er die Nummern mit fehlenden Karten notiert, um zielgerichtet auf die Suche gehen zu können - unterstützt von seiner Mutter und Bruder Lukas. Der Sechsjährige ist im Kindergarten der großen Sammelleidenschaft verfallen, die deutschlandweit grassiert.

In der vergangenen Saison verkaufte Anbieter Topps sage und hiermit schreibe 100 Millionen Match-Attax-Karten. Hinzu kamen ähnlich viele Sticker, die in Hefte geklebt werden können. Der Umsatz ist nicht bekannt. Dafür die Summe, mit der Topps den seit mehr als drei Jahrzehnten angestammten Anbieter Panini 2009 aus dem gewinnträchtigen Spiel katapultierte: 12,4 Millionen Euro flossen an die Deutsche Fußball-Liga.

Pascal nutzt das Angebot der Veranstalter, gegen 5 Euro (Mutti zahlt) 50 doppelte Karten gegen gesuchte Bilder einzutauschen. HSV-Stürmer Petric steht ganz oben auf seiner Liste, Kollege Trochowski ebenso. Jeder Spieler verfügt über einen auf tatsächlichen Leistungen fußenden Status mit Punktzahlen. Besonders hoch im Kurs stehen "Starspieler" und "Matchwinner". Wer Münchens Mario Gomez sein Eigen nennt, ist ganz weit vorne. So wie Klara (10), die aus Harvestehude zum Veranstaltungsort chauffiert wurde.

Rund zwei Drittel der zumeist jungen Kundschaft sammelt die Motive. Mit dem Ziel, am Ende der Saison das Album komplett zu haben. Um 2010/11 wieder starten zu können - zum Wohlgefallen des Herstellers. Die anderen nutzen die Bilder außerdem, um Match Attax zu spielen. Auf einem Pappfeld werden elf Spieler nach Wahl verdeckt ausgelegt. Und dann geht's los. Unschlagbarer Profi in Neugraben war Michele Meyer (11), aus Hannover angereist.

Fast alle Teilnehmer der Hamburger Meisterschaft fühlten sich auch so als Sieger. Selig zogen sie mit ihren Wunschkarten ab. Lars (9) aus Eilbek war im St.-Pauli-Trikot aufmarschiert. Beseelt von der Hoffnung, dass bald auch Sammelkarten seines Vereins im Rennen sind.