Modekette

Tom Tailor will nach Börsengang schneller wachsen

Foto: Ingo Röhrbein

Das Hamburger Unternehmen Tom Tailor hofft auf rund 140 Millionen Euro frisches Kapital. Der Stammsitz bleibt in der Hansestadt.

Hamburg. Die aktuelle Nervosität an den Aktien- und Finanzmärkten kann Dieter Holzer nicht schrecken. Der Vorstandschef von Tom Tailor ist fest entschlossen, das Hamburger Modeunternehmen an die Börse zu bringen. Und zwar im ersten Halbjahr dieses Jahres - wenn sich die Chance bietet, sogar noch vor Ostern. "Der Zeitpunkt ist sowohl für das Unternehmen als auch für Investoren richtig und attraktiv. Wir befinden uns seit Jahren auf Wachstumskurs, sind eine erfolgreiche Marke mit hohem Bekanntheitsgrad", sagte der 45 Jahre alte Firmenchef dem Abendblatt selbstbewusst.

Holzer steht seit gut drei Jahren an der Spitze des Modelabels, das 1962 von den Hamburgern Uwe Schröder und Hans-Heinrich Pünjer gegründet wurde. Die Marke bietet sportliche Kleidung für Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder. Mit immer neuen Produktlinien trifft sie dabei offenbar den Geschmack ihrer Kunden. Trotz Wirtschaftskrise wächst Tom Tailor und absolvierte 2009 mit einem Umsatzplus von 5,9 Prozent auf 300,2 Millionen Euro das erfolgreichste Jahr in seiner Firmengeschichte. 69 Prozent des Umsatzes wurden in Deutschland erzielt, 31 Prozent im Ausland. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um 71 Prozent auf 37,8 Millionen Euro, so Finanzvorstand Axel Rebien.

Doch der Vorstand strebt nach mehr. "Unser Ziel ist es, die Expansion unserer Marke zu beschleunigen. Wir wollen künftig pro Jahr 60 bis 70 neue Läden sowie weitere Shop-in-Shops", skizziert Holzer den Plan. Heute umfasst die Gruppe 87 eigene Stores, 1108 Shop-in-Shops, 201 Franchiseläden und ist in 35 Ländern präsent. Die Expansion soll vor allem in den Kernmärkten Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich und den Benelux-Ländern stattfinden.

Für das angestrebte Wachstum bedarf es jedoch frischen Kapitals. "Wir hoffen, rund 140 Millionen Euro einnehmen zu können. Dieses Geld wird komplett in die Gesellschaft fließen. Davon soll die Expansion langfristig finanziert und die Kapitalbasis des Unternehmens gestärkt werden", so Finanzvorstand Rebien.

Die Anteilseigner sollen von diesen Einnahmen nichts erhalten, jedoch über eine Mehrzuteilungsoption - ein sogenannter Greenshoe - beteiligt werden. Der Börsengang wird von J.P. Morgan und der Commerzbank begleitet. Tom Tailor gehört heute vor allem Finanzinvestoren. So wird die Mehrheit von 57 Prozent der Anteile von Fonds gehalten, die von der deutsch-französischen Investorengruppe Alpha Beteiligungs KG beraten werden. 38 Prozent gehören der Beteiligungsgesellschaft Morgan Finance SA, an der auch der Firmengründer Uwe Schröder beteiligt ist. Weitere fünf Prozent liegen in der Hand des Managements, bei Dieter Holzer.

Tom Tailor wäre seit Langem wieder ein etwas bekannterer Börsengang in Deutschland. Den letzten großen Börsengang legte Ende 2007 die Hamburger Hafen- und Logistik AG (HHLA) aufs Parkett. Der Versuch von Hochtief, seine Tochter Concessions am Markt zu platzieren, scheiterte 2009. In diesem Jahr wagte bisher nur der Finanzdienstleister Helikos den Schritt. Allerdings stehen bereits zwei weitere große Unternehmen in den Startlöchern. So streben sowohl Kabel Deutschland (KDG) als auch der Chemiedienstleister Brenntag an die Börse.

"Tom Tailor hat realistische Chancen, erfolgreich an die Börse zu gehen", ist der Analyst der Hamburger Sparkasse, Christian Hamann, überzeugt. Dennoch bezeichnet er den Schritt in dem aktuellen Börsenumfeld als mutig. Der Vorstand selbst fühlt sich unterdessen durch seine Konkurrenten motiviert, so Rebien: "Der Aktienmarkt hat in den vergangenen Monaten einen positiven Verlauf genommen. Insbesondere unsere börsennotierten Wettbewerber - wie Esprit, Inditex, H & M, Gerry Weber oder auch Hugo Boss - haben sich gut entwickelt. Wir sind deshalb sehr optimistisch, dass der Börsengang von Erfolg gekrönt sein wird."

Tom Tailor beschäftigt weltweit 730 Mitarbeiter. Hamburg ist der Sitz der Zentrale mit 300 Beschäftigten. Von der Elbe aus werden jährlich zwölf Kollektionen für jeweils fünf Modelinien entwickelt - wodurch jeden Monat ein neues Angebot in die Läden kommt. Diese Schnelligkeit sieht das Unternehmen als einen Kern für seinen Erfolg, so Holzer: "Wir sind ständig informiert, was unsere Kunden an unseren mehr als 1000 Verkaufspunkten wünschen und können unsere Angebote auf die Nachfrage abstimmen. Damit können wir die richtigen Produkte für den Markt entwickeln."

Am Stammsitz Hamburg will Holzer auch in Zukunft auf alle Fälle festhalten: "Wir sind ein Hamburger Unternehmen. Hamburg ist eine unglaublich attraktive Stadt. Wir schaffen es, tolle Talente in die Stadt zu holen. Der Standort bringt uns als internationalem Unternehmen einen echten Vorteil."