Urteil

1000 Euro Strafe, weil er seine Freundin ins Hafenbecken stieß

Es lief alles nach Plan für Fikret Y., angeklagt vor dem Harburger Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung. Aishe Y. (29) hatte ihn am 21. April 2009 angezeigt, weil er sie in die Elbe gestoßen haben soll. Doch gestern schwieg sie, machte als seine Verlobte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Sie will den Mann heiraten, gegen den die Staatsanwaltschaft schwere Vorwürfe erhebt: Am 21. April, so die Anklage, soll der 27-Jährige eine glühende Zigarette auf ihrer Hand ausgedrückt, sie an den Rand einer Kaimauer an der Australiastraße geschoben und ins kalte Hafenwasser gestoßen haben. Ein Tau, das Aishe Y. ergreifen konnte, habe er derart geschüttelt, dass sie mehrfach ins kalte Wasser zurückfiel. Dann erst habe er ihr ein Seil zugeworfen und sie aus dem Wasser gezogen. Fikret Y. stritt ab, dass sich die Tat so abgespielt hat. Er sei wütend auf sie gewesen, weil sie auf Fragen, ob Arbeitskollegen beim Kickern abfällig über ihn geredet hätten, nicht reagiert habe. Er habe sie aber nicht gestoßen. Sie müsse sich an ihrer Zigarette verbrannt haben, sei "wohl aus Schreck" ins Straucheln geraten und im Wasser gelandet. Ganz anders die Version der Schwester (32), die gestern als Zeugin aussagte. Ihr hatte sich Aishe Y. nach der Tat anvertraut und erzählt, dass ihr Freund in Rage geriet - aus Eifersucht, weil sie mit Kollegen gekickert habe.

Aussage steht gegen Aussage. Doch weil Aishe Y. erkenntlich kein Strafverfolgungsinteresse habe, stellt der Richter das Verfahren gegen eine Geldstrafe von 1000 Euro ein.